Droht die Elektrifizierungslücke zwischen Mühldorf und Braunau?

Droht die Elektrifizierungslücke zwischen Mühldorf und Braunau?
In der Region Mühldorf und Braunau wird seit geraumer Zeit über die dringend benötigte Elektrifizierung der Bahnstrecke Mühldorf bis Simbach diskutiert. Doch die aktuelle Situation ist alles andere als zufriedenstellend. Trotz politischer Ankündigungen und Forderungen, die Bahnlinie von München über Mühldorf nach Freilassing und Burghausen (ABS 38) elektrifizieren zu lassen, stockt der Fortschritt im Abschnitt Mühldorf – Simbach. So berichtete der MeinBezirk, dass dieser Stillstand möglicherweise zu einer „Elektrifizierungslücke“ zwischen Mühldorf und Braunau am Inn führen könnte. Dies würde nicht nur die Gemeinden abklemmen, sondern auch negative Auswirkungen auf die Pendler sowie den grenzübergreifenden Güterverkehr haben.
Im Juli fand in Simbach ein Gespräch zwischen Bürgermeistern, Landräten und Abgeordneten statt, zu dem auch Experten wie Anke Hering von der Südostbayernbahn eingeladen wurden. Sie beleuchteten den aktuellen Stand des Projekts und zeigten auf, dass langfristige Planungen für andere Abschnitte bereits im Genehmigungsverfahren sind. Im Gegensatz dazu hat dieser spezielle Abschnitt noch keine greifbaren Fortschritte gemacht.
Perspektiven für die Elektrifizierung
Die Elektrifizierung der Innkreisbahn von Neumarkt-Kallham nach Braunau ist bis 2029/30 geplant, und auf österreichischer Seite wird die Mattigtalbahn ebenfalls bis nach Braunau elektrifiziert. Dies zeigt, dass auf regionaler Ebene durchaus Fortschritte gemacht werden. Doch um die genannten Lücken zu schließen, ist eine zügige Bearbeitung der Pläne für die Mühldorf-Simbach-Strecke unerlässlich. An die kommunalen Vertreter wurde appelliert, den Druck auf das Bundesverkehrsministerium zu erhöhen, um den Planungsauftrag bis Jahresende zu erhalten.
Von Seiten der Mühldorf-Simbach wird die Problematik seit Jahren thematisiert. Die letzte Übergabe von Güterzügen zwischen Simbach und Mühldorf wurde im April 2011 eingestellt, was zur Abwertung von Simbach als Güterbahnhof führte. Der Mangel an Triebwagen führt sogar zu Ersatzeinsätzen von lokbespannten Zügen rund um Mühldorf, was die Situation weiter verkompliziert.
Elektrifizierung im Bayerischen Kontext
Im bayerischen Raum zeigt sich, dass nur etwa 55 Prozent der Gleise über Oberleitungen verfügen. Dennoch planen Bund und Freistaat, fast 1.000 Kilometer neue Oberleitungen zu verlegen, um das Schienennetz weiter zu elektrifizieren. Ziel ist es, bis 2040 über 70 Prozent des Schienennetzes mit Strom zu versorgen, wobei restliche Strecken künftig möglicherweise hybrid, mit Akku oder Wasserstoff betrieben werden sollen, wie auf der Bahnausbau Bayern Webseite zu lesen ist.
Mit den laufenden Planungen und der Möglichkeit, durch den Druck der Kommunen und der Bürger eine Bewegung in der Angelegenheit zu erzeugen, bleibt zu hoffen, dass die „Elektrifizierungslücke“ bald der Vergangenheit angehört und die Region Mühldorf und Braunau endlich von einem modernen und zuverlässigen Schienennetz profitieren kann.