Suffizienz-Pionier Dr. Manfred Linz: Ein Verlust für Wuppertal

Suffizienz-Pionier Dr. Manfred Linz: Ein Verlust für Wuppertal
Am 12. August 2025 hat uns die Nachricht vom Tod von Dr. Manfred Linz erreicht, einem der bedeutendsten Pioniere im Bereich der Suffizienz. Das Wuppertal Institut zeigt sich schockiert und betroffen über den Verlust des engagierten Wissenschaftlers, der sich Zeit seines Lebens für eine umweltbewusste und sozial gerechte Lebensweise einsetzte. Linz war nicht nur für seine freundliche und zugewandte Art bekannt, sondern auch dafür, dass er Suffizienz durch seinen eigenen Lebensstil verkörperte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wuppertal Institut prägte er maßgeblich die Suffizienz-Debatte und dessen Denken bereichert durch eine umfassende Perspektive auf Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit.
Bevor er 1995 zum Wuppertal Institut kam, war Dr. Linz über 30 Jahre als Rundfunkredakteur tätig und leitete die Programmgruppe Familie und Gesellschaft beim WDR in Köln. Seinen Ruhestand nutzte er weiterhin, um an Forschungsprojekten zu arbeiten, die den Fokus auf notwendige Verhaltensänderungen für den Klimaschutz und die Reduzierung der Rohstoffverschwendung legten. In seinen zahlreichen Schriften hat er wertvolle Beiträge zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte geleistet. Das Wuppertal Institut verliert mit ihm einen geschätzten Kollegen und Vorreiter in der Erforschung nachhaltiger Lebensweisen.
Suffizienz als gesellschaftliche Herausforderung
Das Thema Suffizienz ist angesichts der globalen Herausforderungen mehr denn je aktuell. Das Buch „Weder Mangel noch Übermaß“ von Manfred Linz bleibt ein bedeutendes Werk in dieser Diskussion. Es fordert materielle Teilhabe für alle und eine Begrenzung des Wohlstandes auf ein angemessenes Maß. Zudem warnt es vor einer einseitigen Fokussierung auf technologische Effizienz, da diese allein nicht die Probleme von Übermaß und ungerechter Verteilung lösen kann. Das Buch stellt die Frage, wie Gesellschaften lernen können, suffizient zu handeln und thematisiert den kritischen Blick auf Wachstum und Wohlstand in der heutigen Zeit.
Die Debatte um Suffizienz wird derzeit besonders intensiv geführt. Politische Akteure in verschiedenen Ländern begreifen die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs. In Frankreich hat die Regierung die „sobriété“ als zentrale Säule ihrer Energiestrategie anerkannt, um Klimaschutzmaßnahmen sozial gerechter zu gestalten. Das zeigt sich auch in einem nationalen Suffizienzplan, der nach dem Ukrainekrieg und der drohenden Energieknappheit 2022 initiiert wurde. Hierzulande hingegen gibt es wenig politische Bereitschaft, notwendige Verhaltensänderungen für den Klimaschutz ernsthaft anzugehen, was die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen beeinflusst.
Ein neuer Weg für Klimaschutz
Die Wissenschaftler sind sich einig, dass technologischen Fortschritt allein nicht ausreicht. Ein Szenario, das von 26 europäischen Forschungseinrichtungen erarbeitet wurde, prognostiziert, dass Suffizienzmaßnahmen bis zur Hälfte der bis 2050 nötigen Energieeinsparungen ermöglichen könnten. Dabei wird körperschaftliche Suffizienz, verstanden als „eine neue Art des Denkens und Handelns“, als Schlüssel zur Förderung ökologischer Transformation und Energiesouveränität gesehen.
Um die positiven Effekte der Suffizienzpolitik zu maximieren, ist es notwendig, strukturelle Veränderungen herbeizuführen, die ressourcenschonende Entscheidungen fördern. Politische Maßnahmen sollten darum so gestaltet werden, dass sie Infrastrukturen und Anreize für umweltfreundliches Handeln schaffen. Ein Beispiel aus Frankreich zeigt, dass der Aufruf zum Energiesparen zur Einsparung von 12,2 % beim Strom- und Gasverbrauch zwischen August 2022 und Juli 2023 führte. Gleichzeitig machte sich eine Verdopplung der betroffenen Haushalte bemerkbar, was auf bestehende soziale Ungleichheiten hinweist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tod von Dr. Manfred Linz einen schmerzlichen Verlust für die Gemeinschaft der Suffizienzforscher darstellt. Doch sein Lebenswerk bleibt als Mahnmal und Ansporn zurück, die Herausforderungen der Zeit aktiv anzugehen. Die Idee von Suffizienz, vor allem auch im Hinblick auf die sozialen Aspekte, muss weiterverfolgt werden, um einen gerechten und nachhaltigen Weg in die Zukunft zu finden.
Für weitere Informationen zu Dr. Manfred Linz und seiner Arbeit, lesen Sie mehr bei Wuppertal Institut, das Buch „Weder Mangel noch Übermaß“ auf Oekom Verlag oder einen Ausblick auf Suffizienz in der Klimapolitik auf Transforming Economies.