In der heutigen Zeit wünschen sich viele Menschen, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, wenn sie älter werden. Diese Entscheidung bringt jedoch eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich, insbesondere für die pflegenden Angehörigen, die eine zentrale Rolle in der Betreuung und Versorgung ihrer Lieben übernehmen. In der Region Perg bietet der Sozialhilfeverband eine wertvolle Unterstützung durch die Veranstaltungsreihe „Pflegewerkstatt“, die speziell für pflegende Angehörige entwickelt wurde. Hier erhalten Betroffene wertvolle Tipps und Informationen, um die Anforderungen der häuslichen Pflege zu meistern.
Die Pflegewerkstatt ist ein Ort des Austauschs und der Wissensvermittlung, wo pflegende Angehörige auf erfahrene Pflegeexperten treffen. Viele dieser Angehörigen haben keinen Pflegeberuf erlernt und sehen sich daher neuen Herausforderungen gegenüber. Die Veranstaltungen finden in Alten- und Pflegeheimen des Sozialhilfeverbandes Perg statt, wobei voll ausgestattete Pflegezimmer für Simulationen zur Verfügung stehen. Hier können Pflegehandlungen und Pflegemaßnahmen vorgezeigt und geübt werden. Zudem werden die gängigsten Hilfsmittel und Pflegegeräte erklärt und demonstriert. Die Teilnahme an der Pflegewerkstatt ist kostenlos und eine Anmeldung ist telefonisch oder per E-Mail möglich.
Die nächsten Termine der Pflegewerkstatt
Der nächste Durchgang der Pflegewerkstatt begann am 10. Februar und umfasst verschiedene Themen, die für pflegende Angehörige von großem Interesse sind:
- 10. Februar: Hausmittel in der häuslichen Pflege
- 24. Februar: Ernährung im Alter / Schluckoptimierte Kost
- 3. März: Körperpflege in der häuslichen Pflege
- 12. März: Sozialberatung / Hospiz & Palliative Care
- 17. März: Sicherheit zuhause / Risiken minimieren
- 26. März: Hilfsmittel / Geräte für die häusliche Pflege
Die Treffen beginnen jeweils um 18.30 Uhr im Seniorium Perg. Einzelne Module können unabhängig voneinander besucht werden, was den Teilnehmern Flexibilität bietet. Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen wird als unterstützend empfunden, wie Teilnehmer Markus Kaiserseder berichtet.
Selbsthilfegruppen als ergänzendes Angebot
Zusätzlich zur Pflegewerkstatt gibt es auch Selbsthilfegruppen, die einen geschützten Rahmen für Austausch, Entlastung und Alltagstipps bieten. Diese Gruppen sind meist kostenfrei und freiwillig, ersetzen jedoch keine Therapie oder Rechtsberatung. Sie fördern emotionale Entlastung und bieten Praxiswissen sowie Verständnis auf Augenhöhe. Angehörige können sich in verschiedenen Formaten wie Präsenztreffen oder Online-Gruppen vernetzen.
Selbsthilfegruppen bieten Orientierung und Erfahrungen zu typischen Themen wie Belastung, Stress und Selbstfürsorge. Sie sind auch hilfreich bei der Organisation von Pflegegraden und Entlastungsangeboten. Die Teilnahme ist freiwillig und anonym möglich, was für viele Angehörige eine große Erleichterung darstellt. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg dieser Gruppen ist die Moderation durch geschulte Ehrenamtliche oder Fachkräfte, die darauf achten, dass der Austausch konstruktiv bleibt.
Das Engagement von Kornelia Schmid
Ein herausragendes Beispiel für das Engagement von pflegenden Angehörigen ist Kornelia Schmid. Seit 2013 setzt sie sich aktiv für die Belange von pflegenden Angehörigen ein. Sie gründete die Facebook-Gruppe „Pflegende Angehörige“, die mittlerweile fast 15.000 Mitglieder hat, und den Verein „Pflegende Angehörige e.V.“, um den Stimmen der Angehörigen mehr Gehör zu verschaffen. Ihr eigenes Engagement begann, als ihr Mann 1994 die Diagnose Multiple Sklerose erhielt und Pflegegrad 5 bekam. Schmid kritisiert die systematische Benachteiligung und den Mangel an Anerkennung für pflegende Angehörige in der Gesellschaft und Politik.
Sie fordert echte Entlastungsangebote und eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung, um die Herausforderungen, vor denen pflegende Angehörige stehen, besser zu bewältigen. Schmid betont die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen beruflich Pflegenden und Angehörigen, um ein unterstützendes Netzwerk zu schaffen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Unterstützung für pflegende Angehörige in der Region Perg durch die Pflegewerkstatt und Selbsthilfegruppen von großer Bedeutung ist. Diese Angebote helfen nicht nur bei der praktischen Pflege, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl und die emotionale Resilienz der Beteiligten. Die Herausforderungen der Pflege zu Hause erfordern Kraft und Verantwortung, und die richtigen Unterstützungsangebote können den Unterschied ausmachen.
Für weitere Informationen über die Pflegewerkstatt und Selbsthilfegruppen besuchen Sie bitte die entsprechenden Links: Pflegewerkstatt Perg und Deutscher Pflegebeistand.