Heute ist der 8.02.2026. Ein ganz besonderer Tag für alle Architektur- und Kunstliebhaber, denn die Villa Beer in Wien, entworfen von dem renommierten Architekten Josef Frank, wird ab sofort dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Hauptwerk der klassischen Moderne besticht durch seine menschenfreundlichen und wohnlichen Aspekte, die es zu einem bedeutenden Teil der Wiener Architekturgeschichte machen.
Die Villa Beer, gelegen in der Wenzgasse 12 im 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing, bietet über 650 Quadratmeter Wohnfläche und wurde zwischen 1929 und 1931 von Josef Frank und Oskar Wlach errichtet. Ursprünglich für die großbürgerliche Familie Beer konzipiert, die das Haus für gesellschaftliche und musikalische Veranstaltungen nutzen wollte, zeigen die luxuriösen Details der Villa, wie etwa eine Garage, mehrere Balkone und einen Speiseaufzug, den hohen Anspruch ihrer Erbauer.
Renovierung und zukünftige Nutzung
Der Zugang zur Villa wurde durch den Kauf und die Renovierung des Unternehmers Lothar Trierenberg ermöglicht, der mehrere Millionen Euro investiert hat. Diese Renovierung wurde von Architekt Christian Prasser geleitet, der die räumliche Abfolge und die Verbindungen zwischen Innen- und Außenraum geschickt wiederhergestellt hat. Besonders bemerkenswert sind die schlichten eleganten Innenräume, die mit edlen Materialien und dekorativen Stoffen, die von Frank entworfen und von Svenskt Tenn gefertigt wurden, ausgestattet sind.
Trierenberg möchte den Charakter der Villa als Wohnhaus bewahren und vermeidet bewusst den Begriff „Haus-Museum“. Die Villa bietet auch die Möglichkeit, Wohnräume für Seminare zu mieten, und beherbergt drei Gästezimmer, die für Preise zwischen 350 und 450 Euro pro Nacht zur Verfügung stehen. Dies macht die Villa nicht nur zu einem kulturellen Ort, sondern auch zu einem Ort für Begegnungen und kreative Veranstaltungen.
Ein Stück Wiener Geschichte
Die Villa Beer hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach nur einem Jahr Wohnzeit vermietete die Familie Beer das Haus aufgrund finanzieller Schwierigkeiten. Zu den prominenten Zwischenmietern gehörten Persönlichkeiten wie Richard Tauber und Jan Kiepura. 1938 wurde das Haus schließlich von der Allianz und Giselaverein-Versicherungs-AG ersteigert, und 1941 erwarb Harry Pöschmann das Anwesen. Seit 1987 steht die Villa unter Denkmalschutz und wird vom Bundesdenkmalamt als Höhepunkt der modernen Architektur in Österreich angesehen.
Im Jahr 2021 erwarb die Villa Beer Foundation das Gebäude für 5,3 Millionen Euro. Die Stadt Wien unterstützt die Sanierung mit 200.000 Euro, und ein internationales Symposium zur Zukunft der Villa fand im Frühling 2022 statt. Eine umfassende Sanierung, die auf die Vorgaben des Bundesdenkmalamts abgestimmt ist, soll die Villa ab Frühjahr 2026 für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
Josef Frank und sein Erbe
Josef Frank, geboren am 15. Juli 1885 in Baden bei Wien, war ein bedeutender Architekt, der die moderne Architektur in Österreich maßgeblich prägte. Nach seiner Emigration nach Schweden im Jahr 1933, wo er für das Einrichtungshaus Svenskt Tenn arbeitete, kreierte er den skandinavischen Wohnstil, der auch heute noch Einfluss auf modernes Design hat. Frank erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur im Jahr 1965. Sein Werk, einschließlich der Villa Beer, wird weiterhin gefeiert und bewundert, was zeigt, wie zeitlos und wichtig seine Beiträge zur Architektur sind.
Die Wiedereröffnung der Villa Beer ist nicht nur eine Hommage an Josef Frank und seine Vision von Wohnlichkeit, sondern auch ein bedeutender Schritt in der Erhaltung und Wertschätzung der modernen Architektur in Wien.