In Wien gibt es seit kurzem einen neuen Blickfang auf dem Südtiroler Platz. In einer feierlichen Zeremonie wurde eine Stele enthüllt, die die bewegte Geschichte der Südtiroler Autonomie erzählt. Wien’s Landeshauptmann Michael Ludwig (SPÖ) und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) führten die Enthüllung durch und würdigten damit auch die historischen Verbindungen zwischen Österreich und Südtirol. Diese Verbindung ist besonders bedeutend, da der Platz seit 1927 umbenannt wurde, um Solidarität mit dem unterdrückten Südtirol zu zeigen. [MeinBezirk] berichtet, dass die Stele das erfolgreiche Beispiel der Autonomie über die klassischen Opfererzählungen hinaus unterstreicht.

Bei der Enthüllung waren auch einige junge Südtiroler anwesend, die mit einem Banner auf die Bedeutung der Zukunft hinwiesen. Kompatscher betonte, dass die Rechtsstaatlichkeit und Diplomatie in Südtirol letztlich gesiegt haben. Dies ist besonders erwähnenswert, da die Autonomiebemühungen in der Region über Jahrzehnte hinweg von Verhandlungen geprägt waren, unterstützt durch die österreichische Regierung, die als Schutzmacht auftrat. Der historische Moment wurde auch von der Anwesenheit des Andreas-Hofer-Haus und eines Denkmals am Platz begleitet.

Die Autonomie Südtirols

Die Stele ist nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Symbol für den langen Weg zur Autonomie, der bereits im 20. Jahrhundert begann. Mit dem Friedensvertrag von Saint Germain im Jahr 1919 wurde Tirol südlich des Brenners zu Italien eingegliedert. Der Gruber-Degasperi-Vertrag von 1946 sorgte für den dringend notwendigen Minderheitenschutz und die Autonomie der Südtiroler. Diese Maßnahmen führten schließlich zur Genehmigung eines Autonomiestatuts im Jahr 1948, das jedoch nicht alle geforderten Inhalte enthielt und nur schrittweise vollständig umgesetzt wurde. [Provinz] schildert, dass das aktuelle Autonomiestatut von 1972 weitreichende legislative und administrative Kompetenzen für die Region garantiert und den Südtirolern bedeutende Eigenverantwortung überträgt.

In der heutigen Zeit leben in Südtirol rund 520.000 Menschen mit drei bedeutenden Muttersprachen: 69,4 % Deutsch, 26 % Italienisch und 4,5 % Ladinisch. Der Anteil der italienischen Sprachgruppe ist historisch gewachsen, besonders während des Faschismus in den 1920er und 1930er Jahren. Das Zusammenleben dieser unterschiedlichen Sprachgruppen hat sich von Konflikten hin zu einem stabilen Gleichgewicht entwickelt, unterstützt durch ein komplexes Rechtssystem, das unter anderem Ämterrotation und paritätische Gremienbesetzung umfasst. Diese historischen Aspekte des Sprachgebrauchs und das tägliche Miteinander spiegeln sich auch in der Dreisprachigkeit wider, die 2015 gesetzlich verankert wurde.

Auf dem Weg zur Versöhnung

Die Geschichte der Autonomie ist auch eng mit dem Engagement Österreichs in den Verhandlungen zur Klärung der Südtirol-Frage verknüpft. Die UNO beschäftigte sich bereits 1960 mit dieser Thematik und bestätigte die Notwendigkeit eines Schutzes für die österreichische Minderheit. Über die Jahre förderte dieser diplomatische Prozess die rechtlichen Grundlagen, die die Südtiroler heute genießen. Heute gilt Südtirol als ein Paradebeispiel für erfolgreiche Autonomie, was sich auch in den gegenwärtigen 2.000 südtiroler Studierenden in Wien widerspiegelt.

So erinnert die neue Stele nicht nur an die Herausforderungen der Vergangenheit, sondern blickt auch optimistisch in die Zukunft. MeinBezirk und Provinz unterstreichen die Bedeutung dieses Symboles für die gegenwärtige und zukünftige Identität Südtirols. Es ist ein Hinweis darauf, dass der Weg zur Autonomie durch Dialog und gegenseitigen Respekt geprägt ist und auch weiterhin sein wird.