In der Wiener Theaterlandschaft tut sich etwas Aufregendes: Gernot Kranner, ein bekannter Sänger, Schauspieler und Regisseur, hat die „Freie Bühne, das Theater auf der Wieden“, die vor 50 Jahren von Topsy Küppers gegründet wurde, wieder ins Leben gerufen. Nach der Abgabe der Direktion durch Michaela Ehrenstein, die 16 Jahre lang tätig war und dabei 70 Uraufführungen realisierte, übernimmt Kranner nun die Leitung mit einem spannenden Konzept und „null Budget“. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, denn die monatlichen Kosten für Miete und Betrieb belaufen sich auf 3.500 Euro, während er bisher nur 3.500 Euro an privaten Spenden erhalten hat. Die Stadt Wien hat in diesem Jahr leider keine Subventionen bereitgestellt, die zuvor bei 120.000 Euro jährlich lagen.
Die Eröffnung der neuen Ära findet am 27. März statt, und die erste Premiere ist eine Hommage an die Gründerin des Theaters, Topsy Küppers, die vor 50 Jahren mit dem Musical „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler debütierte. Diese Aufführung wird auch Teil des Programms sein, das Kranner plant. Auch eine eigene Produktion von Dario Fo mit dem Titel „Bezahlt wird nicht!“ steht auf der Agenda.
Ein Platz für junge Talente
Kranner möchte die Bühne vor allem dem Nachwuchs zur Verfügung stellen und eine Talenteschmiede schaffen. Sein Ziel ist es, jungen Künstlern die Möglichkeit zu bieten, sich auszuprobieren und zu lernen. Geplante Aktivitäten umfassen Werkstätten in verschiedenen Kunstsparten sowie Auftragswerke für Uraufführungen. Neben den bereits erwähnten Veranstaltungen sind auch ein Kinder-Workshop am 7. März und ein generationenübergreifendes Gesprächsformat „Gott und die Welt“ vorgesehen. Der „Club 4“ wird als Diskussionsformat aktuelle Themen aufgreifen, während das Lessing-Theater mit „Die Physiker“ am 7. und 14. März zu Gast sein wird.
Zusätzlich plant die Regisseurin Claudia Bühlmann Auftritte im Freien, beispielsweise am Südtiroler Platz. Tickets für die Veranstaltungen können online gekauft werden, was den Zugang zu den kulturellen Angeboten erleichtert.
Förderung der kulturellen Bildung
In einem breiteren Kontext ist das Engagement von Gernot Kranner und der Freien Bühne Wien Teil einer wichtigen Initiative zur Förderung kultureller Bildung. Das Programm „Zur Bühne“ gehört zu „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, das seit 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen Zugang zur Welt des Theaters zu ermöglichen, insbesondere solchen, die wenig Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Jährlich werden bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um Projekte zu fördern, die soziales und praxisorientiertes Lernen unterstützen und neue Fähigkeiten entdecken lassen.
Mit dieser neuen Ausrichtung und den kreativen Ideen von Gernot Kranner wird die Freie Bühne Wien sicherlich einen wertvollen Beitrag zur Wiener Kulturszene leisten. Besonders die Fokussierung auf junge Talente und die Möglichkeit, neue Werke zur Uraufführung zu bringen, verspricht eine spannende Entwicklung für die Zukunft des Theaters.