Die Freie Bühne Wien steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Aktuell reicht das Geld, das durch Spenden gesammelt wurde, nur für einen Monat Betrieb. Der neue Theaterdirektor Gernot Kranner, der Anfang Jänner die Leitung übernahm, hat bislang 3.500 Euro an Spenden erhalten, was jedoch nicht ausreicht, um die monatlichen Kosten für Miete und Betrieb zu decken. Die Honorare der Schauspieler müssen vorerst aus Kranners eigener Tasche bezahlt werden, was die Situation zusätzlich belastet. Die Stadt Wien fördert das Projekt bisher nicht und wartet auf das Förderansuchen, welches Kranner bis Anfang März stellen möchte.
Die Vorgängerin von Kranner, Michaela Ehrenstein, erhielt im Jahr 2025 Förderungen in Höhe von 120.000 Euro. Bei der Stadt Wien müssen Förderungen jährlich neu beantragt werden, eine automatische Verlängerung gibt es nicht. Die Kulturbehörde bearbeitet jährlich über 800 Förderfälle, was die Chancen auf Unterstützung für die Freie Bühne Wien nicht unbedingt erhöht. Zudem könnte eine ausstehende Sanierung des Gebäudes den Betrieb weiter einschränken.
Kreative Ideen und neue Programme
Kranner, der auch als Sänger, Schauspieler und Regisseur in Wien bekannt ist, möchte die Freie Bühne, das Theater auf der Wieden, mit neuen kreativen Ideen wiederbeleben. Sein Ziel ist es, jungen Akteuren eine Plattform zu bieten und eine Talenteschmiede zu schaffen. Die erste Premiere der neuen Saison ist für den 27. März geplant und wird eine Hommage an die Gründerin des Theaters sein. Unter anderem sind Werke von Georg Kreisler, die Aufführung „Bezahlt wird nicht!“ von Dario Fo, ein Heinz-Conrads-Gedenkkonzert sowie Kindertheater vorgesehen. Auch die bekannten Stücke „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt und ein Diskussionsformat namens „Club 4“ stehen auf dem Programm.
Die Regisseurin Claudia Bühlmann plant zudem Auftritte im Freien, beispielsweise am Südtiroler Platz. Tickets für die Veranstaltungen können bequem online gekauft werden, was den Zugang zum Theater erleichtert und möglicherweise ein breiteres Publikum anzieht.
Die Förderlandschaft in Österreich
Die Herausforderungen der Freien Bühne Wien sind nicht einzigartig, sondern spiegeln die allgemeinen Schwierigkeiten wider, mit denen viele Kunst- und Kulturinstitutionen in Österreich konfrontiert sind. Ab dem 1. Mai 2024 müssen alle Förderanträge in der Sektion Kunst und Kultur des BMWKMS online eingereicht werden. Im Doppelbudget 2025/26 sind zwar 10 Millionen Euro für Förderungen garantiert, dennoch bleibt die Verfügbarkeit der Mittel ungewiss, da Fördermittel nach Verfügbarkeit bereitgestellt werden und kein individueller Anspruch auf Förderung besteht.
Die Voraussetzung für Mehrjahresverträge sind unter anderem bereits erhaltene Jahresförderungen im Vorjahr, eine professionelle Geschäftsführung und die Wirksamkeit sowie Nachhaltigkeit des Vorhabens. Die Freie Bühne Wien muss sich in diesem komplexen Förderumfeld positionieren, um die dringend benötigte finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, sowohl für die Freie Bühne Wien als auch für die vielen Talente, die darauf hoffen, in diesem Theater eine Plattform zu finden. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt Wien auf das Förderansuchen reagieren wird und ob Kranner seine Vision einer lebendigen und vielfältigen Theaterlandschaft verwirklichen kann.