Am 16. Februar 2026 fand im Thalia Wien-Mitte die Buchpräsentation von Andreas Salcher statt, der sein 13. Buch mit dem Titel „Das Beste für mein Kind – Schule erfolgreich meistern“ vorstellte. Salcher, ein ehemaliger Wiener Landtagsabgeordneter und Mitbegründer der Sir Popper Schule für Hochbegabte, nennt sein Werk einen „Überlebensführer durch den Dschungel des Schulsystems“. In seinem Buch thematisiert er die Herausforderungen, vor denen Eltern und Schüler im österreichischen Bildungssystem stehen.
Ein zentrales Anliegen von Salcher ist die kritische Betrachtung des Bildungssystems in Österreich, das trotz eines der höchsten Bildungsbudgets pro Kind in Europa, mit alarmierenden Ergebnissen zu kämpfen hat. So können etwa 20% der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen. Salcher zitiert PISA-Koordinator Andreas Schleicher, der feststellt, dass Lehrer mit veralteter Ausbildung Kinder des 21. Jahrhunderts unterrichten. Hier fordert Salcher einen radikalen Ausbau der verschränkten Ganztagsschulen, um bildungsferne Familien besser zu unterstützen.
Die Rolle der Eltern und Lehrer
In Salchers Augen sind Eltern „Co-Lehrer“, und er schlägt vor, dass sie ein Maturazeugnis erhalten sollten, um die gemeinsame Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder zu stärken. Die Schulwahl, die in Österreich mit insgesamt 5936 Schulen eine bedeutende Entscheidung darstellt, ist ein weiterer Schwerpunkt in seinem Buch. Lehrer spielen eine zentrale Rolle im Lernprozess, der durch Beziehung funktioniert. Salcher hebt hervor, wie wichtig Sinnhaftigkeit im Lernen ist und gibt Beispiele, wie Kinder für bestimmte Fächer begeistert werden können.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist das 80/20-Prinzip, das Salcher beim Lernen anwendet: 80% Freude am Stoff und 20% Grundkenntnisse sollen den Schülern den Zugang zur Bildung erleichtern. Während er eine Notenabschaffung für unrealistisch hält, kritisiert er die subjektive Bewertung von Schulleistungen. Zudem thematisiert er die Herausforderungen des Handy-Konsums bei Jugendlichen und verweist auf positive Entwicklungen in Schweden und Dänemark, wo Smartphones aus dem Unterricht verbannt werden.
Vorbild Alemannenschule und Forderungen für die Zukunft
Salcher nennt die Alemannenschule in Wutöschingen als ein herausragendes Beispiel, wo selbstverantwortliches Lernen und digitale Lernplattformen erfolgreich eingesetzt werden. Diese Schule hat bei bundesweiten Tests überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt und wurde mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Salcher fordert eine Revolution im Bildungssystem, einschließlich einer Anpassung des Lehrplans, um neue Fächer wie Medien- und Demokratiebildung sowie Künstliche Intelligenz zu integrieren.
In Anbetracht der bevorstehenden Entwicklungen in der Bildungslandschaft, wie dem Digitalpakt 2.0, der im Januar 2026 startet und die digitale Infrastruktur an Schulen verbessern soll, wird deutlich, dass Salchers Forderungen im Einklang mit den zukünftigen Veränderungen stehen. Der Digitalpakt zielt darauf ab, innovative Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln und Lehrkräfte fortzubilden, was im Kontext der Digitalisierung von Schulen und der damit verbundenen Herausforderungen besonders relevant ist.
Außerdem wird die nächste PISA-Studie, die im Herbst 2026 veröffentlicht wird, die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems erneut unter die Lupe nehmen. Besonders im Hinblick auf naturwissenschaftliche Kompetenzen, aber auch auf Lesen, Mathematik und digitale Kompetenzen, könnte der Druck auf das Bildungssystem weiter steigen. Vor diesem Hintergrund ist Salchers Ansatz, das Bildungssystem radikal zu reformieren, mehr als nur eine persönliche Meinung; es könnte die Grundlage für einen notwendigen Wandel bieten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussion um die Bildungsqualität in Österreich und die Rolle der Schulen in der Gesellschaft aktueller denn je ist. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um die Weichen für eine zukunftsfähige Bildung zu stellen. Dabei wird es nicht nur um die schulische Ausbildung gehen, sondern auch um die mentale Gesundheit der Schüler und die Integration neuer Technologien in den Unterricht, Themen, die in der Bildungskonferenz „Uns geht’s gut?“ im Januar 2026 behandelt werden.
Die Herausforderungen, die Salcher anspricht, sind Teil eines größeren Diskurses, der sowohl in Österreich als auch international geführt wird. Mit jeder Reform und jeder neuen Studie wird deutlich, dass die Bildung der Zukunft neu gedacht werden muss, um den Anforderungen einer sich ständig verändernden Welt gerecht zu werden. Weitere Entwicklungen, wie die Ganztagsbetreuung, die ab August 2026 für Grundschulkinder verbindlich eingeführt wird, und die Ergebnisse von PISA 2025 werden entscheidende Faktoren sein, die die Richtung des Bildungssystems nachhaltig prägen werden.