Am Faschingsdienstag kam es an der katholischen Privatgymnasium De la Salle Marianum in Währing zu einem Vorfall, der die Schulgemeinschaft schockierte. Zwei 18-jährige Schüler führten vor ihrer achten Klasse eine rassistische Darstellung auf, bei der ein Schüler als weißer Sklavenhalter und der andere als schwarzer Sklave verkleidet war. Diese Inszenierung beinhaltete Blackfacing und eine Leine, an der der „Sklave“ geführt wurde. Teile der Klasse reagierten mit Gelächter, während andere Schüler die Aktion als äußerst unangemessen empfanden. Eine anwesende Lehrerin griff nicht ein; stattdessen machte sie Fotos von der Szene. Die beiden Schüler präsentierten ihren Mitschüler als „Django, der Sklave“, was eine Anspielung auf den Film „Django Unchained“ war. Diese Darbietung missachtete die Grundprinzipien des Schulvereins De La Salle und führte zu einem großen Aufschrei innerhalb der Schulgemeinschaft.
Eine Gruppe von Schülerinnen, unter ihnen auch dunkelhäutige Mädchen, beschwerte sich umgehend bei der Direktorin Marie-Antoinette Call-Breitenecker über den Vorfall. Die Direktorin reagierte wütend und holte die Schüler sofort zu sich, um sie zum Abschminken aufzufordern. Sie bezeichnete die Inszenierung als großen Fehler und stellte klar, dass solches Verhalten nicht mit den Werten der Schule übereinstimme. Die Schüler entschuldigten sich schriftlich für ihre „unüberlegte Dummheit“ und erklärten, dass keine rassistische Absicht hinter ihrer Aktion gestanden hätte. Dennoch wurden sie mit einer Verwarnung belegt, wobei ein weiterer Vorfall zu einem Schulverweis führen könnte. Auch die Klassenlehrerin, die die Aktion zunächst verteidigt hatte, befindet sich seit Aschermittwoch im Krankenstand, und ihr Verhalten wird von der Bildungsdirektion geprüft. Der Schulverein De La Salle betonte, dass solche Haltungen keinen Platz in der Bildung haben.
Reaktionen und weitere Schritte
Die Direktion plant nun Gespräche mit den Eltern der beteiligten Schüler und hat auch den Schulpsychologen eingeschaltet. Ursprünglich sollte ein Gespräch für Freitag stattfinden, wurde jedoch aufgrund des Wintereinbruchs auf Montag verschoben. Die Direktorin deutete an, dass die Lehrerin möglicherweise im kommenden Schuljahr nicht mehr an der Schule unterrichten wird. Viele Schülerinnen und Eltern fordern eine vollständige Aufklärung des Vorfalls und die Schulgemeinschaft ist sich einig, dass das Thema Rassismus an der Schule mehr Aufmerksamkeit benötigt.
Dieser Vorfall ist nicht isoliert; auch an Münchner Schulen wurde im vergangenen Jahr ein Anstieg von Rassismus, rechtem Hass und Diskriminierung festgestellt. Die Bildungslandschaft in Deutschland ist von Diskriminierungserfahrungen geprägt, die oft auf soziale Herkunft, Wohnort und den Bildungsstand der Eltern zurückzuführen sind. Eine DeZIM-Studie zeigt, dass Schüler mit Migrationshintergrund häufig diskriminiert werden und schlechtere Noten erhalten, obwohl sie in Tests gleich abschneiden. Lehrkräfte unterschätzen oft die Fähigkeiten dieser Schüler, was zu ungleichen Bildungschancen führt. Zudem erleben viele Schüler mit Sinti- oder Roma-Hintergrund und muslimische Schüler*innen Diskriminierung aufgrund ihrer Identität, was zu Stress und schlechteren Leistungen führen kann. Die aktuelle Situation an Schulen erfordert dringend eine Sensibilisierung für Diversität und Rassismus, um eine gerechtere Bildungslandschaft zu schaffen.
Die Schulgemeinschaft im Marianum hat nun die Möglichkeit, durch Workshops und Aufklärung einen wichtigen Beitrag zu leisten, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Die Auseinandersetzung mit Rassismus in Schulen bleibt ein zentrales Thema, um eine inklusive und respektvolle Lernumgebung zu gewährleisten. Dies ist nicht nur eine Herausforderung für das Marianum, sondern für Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland. Weitere Informationen und Einblicke in die Thematik können in den Artikeln von Merkur, Kurier und Mediendienst Integration gefunden werden.