Das Café Mocca in der S-Bahn-Station Gersthof steht seit Mai 2023 leer. Der Grund für den Leerstand war die Insolvenz des vorherigen Betreibers. Die Centimeter-Gruppe hat das Lokal von der ÖBB für zehn Jahre gepachtet, und Geschäftsführer Heinz Pollischansky plant eine Modernisierung des Lokals. Dabei möchte er jedoch den traditionellen Stil beibehalten und das Konzept um eine Weinbar erweitern. Zudem soll der Schanigarten mit Loungemöglichkeiten ergänzt werden. Die Eröffnung des überarbeiteten Café Mocca ist für den Frühsommer 2024 geplant, in etwa drei Monaten. Aktuell sind noch Ausmistungsarbeiten im Lokal erforderlich. Weitere Informationen zu diesem Vorhaben finden Sie hier.
In der Wiener Gastronomieszene gibt es jedoch nicht nur positive Nachrichten. So hat das Café Wortner, das seit rund 140 Jahren klassische Wiener Speisen und Schmankerl anbietet, Insolvenz angemeldet. Das Konkursverfahren wurde am 14. September 2023 gegen das Unternehmen eröffnet, dessen Eigentümer die Freenet GmbH ist. Von der Insolvenz sind 35 Mitarbeiter betroffen, darunter 20 Teilzeitangestellte. Die Insolvenzverwalterin Ilse Korenjak hat bestätigt, dass der Betrieb vorerst weitergeführt wird, jedoch bleibt ungewiss, ob der Sanierungsplan von den Gläubigern angenommen wird. Weitere Details sind in diesem Artikel zu finden: hier.
Gastronomische Herausforderungen in Österreich
Die Entwicklungen rund um das Café Mocca und das Café Wortner sind Teil eines größeren Trends in der österreichischen Gastronomie. In den ersten drei Quartalen 2023 meldeten insgesamt 162 Gastronomiebetriebe in Österreich Insolvenz. Die vegane Burgerkette Swing Kitchen konnte ihren Sanierungsplan nicht erfüllen, was die Zukunft ihrer fünf Standorte in Wien in Frage stellt. Laut der Arbeiterkammer Wien zählt die Gastronomie seit Jahren zu den Branchen mit den meisten Insolvenzen, ein Trend, der sich 2023 deutlich verschärft hat.
Steigende Kosten und sinkende Umsätze setzen die Betriebe unter Druck. Cornelia Wesenauer von der AKV Wien berichtet, dass die Kosten seit Monaten oder Jahren steigen, während die Umsätze zurückgehen. Gäste zeigen ein verändertes Konsumverhalten, sie sparen beim Restaurantbesuch, bestellen weniger Getränke und Nachspeisen und gehen früher nach Hause. Thomas Peschta, Obmann der Wiener Gastronomie, bestätigt diese Trends: Gäste bleiben kürzer, bestellen weniger und kommen seltener. Diese Veränderungen führen zu massiven Rentabilitätsproblemen für viele Betriebe.
Peschta fordert daher politische Maßnahmen, insbesondere Entlastungen bei Energie- und Netzkosten, um die gesamte Wertschöpfungskette zu unterstützen. Zudem können strategische Fehlentscheidungen, wie etwa eine zu schnelle Expansion, zu Insolvenzen führen, wie das Beispiel der Swing Kitchen zeigt. Trotz dieser Herausforderungen versuchen viele Betriebe, durch rechtzeitige Insolvenzverfahren eine Rettung zu erreichen. Die Situation bleibt also angespannt, und die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Gastronomieszene in Wien weiterentwickeln wird.