Am 28. Februar 2026 feierte die Kammeroper „Someone is going to come“ von Knut Vaage im Jazz-Theater Porgy & Bess in Wien ihre österreichische Erstaufführung. Regie führte Bruno Berger-Gorski, das Ensemble Insimul aus Stavanger, Norwegen, war für die musikalische Darbietung verantwortlich. In dieser eindrucksvollen Inszenierung wird die Handlung in einer einsamen Küstenlandschaft angesiedelt, wo ein Paar ein altes Haus kauft, um sich von der Welt zurückzuziehen und ihre Liebe in Isolation zu pflegen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der Bariton Halvor F. Melien und die Sopranistin Marianne Folkestad Jahren, die als Mann und Frau unterschiedliche Vorstellungen von Einsamkeit präsentieren. Der Vorbesitzer des Hauses, der Tenor Magnus Staveland, taucht als eine Art Bedrohung auf – für den Mann, während die Frau ihn als Rettungsanker betrachtet. Diese komplexe Dynamik zwischen den Charakteren spiegelt sich in der toxischen Beziehung des Paares wider, die auf einem Drama von Jon Fosse aus dem Jahr 1996 basiert. Die Uraufführung der Kammeroper fand bereits 2000 beim Ultima-Festival in Oslo statt.

Ein Blick auf die Inszenierung

Das Bühnenbild, gestaltet aus weißem Tüll von Alice Sturt, schafft eine traumartige Atmosphäre, die durch Projektionen und das Licht-Design von Alaa Alkurdi verstärkt wird. Die Musik von Knut Vaage kombiniert elektronische Instrumente und erzeugt faszinierende Klänge, die die innere Welt der Protagonisten widerspiegeln. Ständige Andeutungen, dass „jemand“ kommen wird, deuten auf die Probleme hin, die das Paar zu bewältigen hat. Diese „Jemand“-Figur materialisiert sich schließlich in der Person des ehemaligen Hausbesitzers, was die emotionalen Konflikte der Charaktere weiter intensiviert.

Am Ende der Vorstellung verlässt die Frau den Mann, der in einem berührenden Finale um ihre Rückkehr hofft. Die Inszenierung thematisiert die Flucht des Paares in ihre innere Welt und die Schwierigkeiten der Kommunikation, was den Zuschauern ein tiefes Verständnis für die Komplexität menschlicher Beziehungen vermittelt. Die Vorstellung war gut besucht, und es wird bereits auf eine deutsche Erstaufführung sowie die große Oper „Khairos“ von Knut Vaage gewartet.

Livestream und weitere Informationen

Wer die Aufführung verpasst hat, kann sich freuen: Der Livestream beginnt ca. 30 Minuten vor Konzertbeginn und ist kostenlos und ohne Registrierung anzusehen. Es wird jedoch um Unterstützung des Projekts über „Pay as you wish“ gebeten. Die Aufführung wird in der Originalsprache Norwegisch mit englischen Untertiteln gesungen, was eine besondere Verbindung zur ursprünglichen Intention der Komposition schafft.

Jon Fosse im Kontext

Die Werke von Jon Fosse sind bekannt für ihre tiefgründige Auseinandersetzung mit existenziellen Themen. Ein Beispiel für seine dramatische Kunst wird mit der Premiere von „Der Name“ am 25. Oktober 2024 im Volkstheater Wien sichtbar. Unter der Regie von Kay Voges zeigt das Stück, wie hochschwangere Beate mit ihrem Kindsvater in das Elternhaus zurückkehrt, wo unausgesprochene Gewalt und Ablehnung der Familie auf sie warten. Diese Inszenierung, die in einer Mischung aus Traurigkeit und Absurdität agiert, verdeutlicht die oft komplizierten Dynamiken innerhalb von Beziehungen, ähnlich wie in „Someone is going to come“.

Für weitere Informationen zu „Someone is going to come“ und zur Inszenierung im Porgy & Bess können Sie die Details auf der Seite des Porgy & Bess einsehen und zur Quelle der Aufführung gelangen. Auch die kritischen Stimmen zu Jon Fosses Werken sind auf nachtkritik.de nachzulesen, wo die Reaktionen auf seine Stücke thematisiert werden.