Am Donnerstag, den 12. Februar, findet in der Volkshochschule 1150 Wien, Schwendergasse 41, eine spannende Buchpräsentation statt. Das Werk mit dem Titel „Zentren geistiger Stadterweiterung“, verfasst von Carina Sacher und Lukas Vejnik, beleuchtet die Architektur der Wiener Volkshochschulen und deren historische Bedeutung. Der Fokus liegt auf der Entwicklung dieser Bildungseinrichtungen nach dem Zweiten Weltkrieg und den sozialen Wohnbauten, die das „Rote Wien“ prägten.
In Wien hat der soziale Wohnbau eine lange Tradition und wird international als Vorbild für Wohnmodelle angesehen. Die Stadt bietet leistbaren Wohnraum, der durch hohe architektonische Standards und ein breites öffentlich gefördertes Angebot gekennzeichnet ist. Dies ermöglicht nicht nur den Zugang zu qualitativ gutem Wohnraum für viele Menschen, sondern trägt auch zur sozialen Gerechtigkeit bei. Fast zwei Drittel der Wiener Bevölkerung lebt in geförderten Wohnungen, oft in zentralen Lagen mit guter Anbindung und sozialer Infrastruktur. Diese Aspekte werden auch in dem Buch thematisiert, das die Relevanz von Bildungseinrichtungen in der Stadtstruktur herausstellt.
Einblick in die Geschichte
Die Buchpräsentation geht über die reine Vorstellung des Werkes hinaus. Im Rahmen der Veranstaltung wird ein Rundgang durch das Haus der Begegnung am Schwendermarkt angeboten, der die Entwicklung und die Herausforderungen der Bildungs- und Nachbarschaftszentren in Wien veranschaulicht. Der Abend endet mit einer Filmvorführung „HdB“ von Markus Rupprecht und Laurenz Steixner, die einen weiteren Blick auf die Thematik eröffnet.
Der soziale Wohnbau in Wien hat seine Wurzeln in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Stadtregierung auf die Wohnungsnot und katastrophalen hygienischen Zustände reagierte. In den Jahren zwischen 1919 und 1934 wurden rund 65.000 neue Wohnungen in Gemeindebauten errichtet, finanziert durch eine sozial gestaffelte Wohnbausteuer. Diese Errungenschaften sind nicht nur Grundpfeiler des sozialen Wohnbaus, sondern auch entscheidend für die Gestaltung der Freiräume, die in den 1920er und 1930er Jahren entwickelt wurden. Das Motto „Luft, Licht und Sonne“ spiegelte den Antrieb wider, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.
Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Freiraumgestaltung im Wiener Wohnbau weiterentwickelt. Der Fokus hat sich von der Schaffung neuer Wohnräume hin zur Verbesserung bestehender Anlagen verschoben. Die Herausforderungen, die heute bestehen, sind vielschichtig: Klimawandel, steigende Ansprüche an Freiräume und die Notwendigkeit einer gendergerechten Planung fordern neue Ansätze. Der Stadtentwicklungsplan Wien 2025 setzt hier an und legt verbindliche Kennzahlen zur Freiraumversorgung fest.
Das Buch „Zentren geistiger Stadterweiterung“ ist daher nicht nur eine Rückschau auf die Entwicklung der Wiener Volkshochschul-Architektur nach 1945, sondern auch ein wertvoller Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rolle von Bildungseinrichtungen und sozialem Wohnbau in der städtischen Entwicklung. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, und es ist eine hervorragende Gelegenheit, mehr über die Geschichte und Zukunft der sozialen Infrastruktur in Wien zu erfahren.
Für weitere Informationen und Details zur Veranstaltung können Sie die Quelle hier nachlesen. Zudem bietet die zweite Quelle interessante Einblicke in die Herausforderungen und Errungenschaften des sozialen Wohnbaus in Wien. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit den Freiräumen im Wohnbau der vergangenen 100 Jahre, sei die dritte Quelle empfohlen.