Rudolfsheim-Fünfhaus, ein Stadtteil mit einer bewegten Geschichte, wird zum Schauplatz eines bemerkenswerten Projekts, das sich mit der dunklen Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Im Rahmen des Projekts „In meinem Block“, initiiert vom Gedenkdienst-Verein, werden Geschichten von Kindern, Jugendlichen und Familien aus dieser Gegend während der NS-Zeit erforscht. Ziel ist es, das Bewusstsein junger Menschen für die Geschichte der Ausgrenzung, Verfolgung und Anpassung im Alltag zu schärfen. Insbesondere richtet sich das Angebot an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die hier aktiv teilnehmen können.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auch bekannt als Peer Guides, durchlaufen eine dreitägige Schulung, in der sie lernen, wie sie die Biografien und Orte aus Rudolfsheim-Fünfhaus aufbereiten und präsentieren können. Die Peer Guides entscheiden selbst, welche Geschichten sie erzählen möchten, und geben ihr Wissen in Rundgängen an Freunde und Klassenkameraden weiter. Für die Grätzelführungen erhalten die Guides eine Vergütung von 25 Euro pro Stunde. Interessierte können sich bis zum 28. Februar anmelden, um Teil dieses wichtigen Projekts zu werden. Anmeldungen sind möglich unter katharina.wurzinger@gedenkdienst.at.

Der Gedenkdienst-Verein und seine Mission

Der Gedenkdienst-Verein ist eine unabhängige, überparteiliche und überkonfessionelle Nichtregierungsorganisation, die sich mit geschichts- und gesellschaftspolitischer Aufklärungsarbeit befasst. Besonders wichtig ist dem Verein, der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zu gedenken und die nationalsozialistische Vergangenheit sowie deren Kontinuitäten in der österreichischen Gesellschaft und Politik kritisch zu betrachten. Gedenkdienstleistende, die im August ihren Dienst antreten, erhalten Unterstützung von VorgängerInnen in einer zweiwöchigen Einführungsphase und stehen während ihres Dienstes in ständigem Kontakt mit einer Stellenbetreuerin oder einem Stellenbetreuer.

Das Vereinsbüro betreut die Gedenkdienstleistenden während des gesamten Zeitraums und sorgt dafür, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten, um ihre Aufgaben effektiv zu erfüllen. Die umfassende Begleitung und das Engagement des Vereins sind entscheidend, um die geschichtlichen Aufklärungsziele erfolgreich umzusetzen.

Bedeutung der Gedenkstätten

Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ist nicht nur für die Vergangenheit von Bedeutung, sondern hat auch große Relevanz für unser gegenwärtiges und zukünftiges Miteinander. Gedenkstätten spielen hierbei eine zentrale Rolle. Sie sind Orte der Erinnerung, an denen wir der Opfer gedenken und trauern können. Gleichzeitig bieten sie wertvolle Informationen über die Verbrechen des Nationalsozialismus und fördern das Lernen über diese dunkle Zeit. In Deutschland gibt es zahlreiche Gedenkstätten, wie die T4-Gedenkstätte in Berlin, die an die Opfer der „Aktion T4“ erinnert, oder die über 75.000 Stolpersteine, die als kleine Gedenktafeln an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Die Stolpersteine, initiiert vom Künstler Gunter Demnig, werden meist vor der letzten Wohnung der betroffenen Personen verlegt und sollen das Gedächtnis an die Opfer wachhalten. Es ist von großer Bedeutung, dass wir uns an die Gräueltaten erinnern, um sicherzustellen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Das Gedenken an die NS-Zeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer gesellschaftlichen Verantwortung und unseres kollektiven Gedächtnisses.