Das ehemalige Leiner-Haus in Penzing, das seit einem Jahr leer steht, wirft Fragen zur zukünftigen Nutzung auf. Das Gebäude, gelegen in der Hadikgasse 256, ist nicht nur ein architektonisches Relikt, sondern auch ein Symbol für den wachsenden Bedarf an leistbarem Raum für Wohnen, Soziales, Bildung und Kultur. In den letzten Monaten haben Diskussionen über die mögliche Verwendung des Areals an Intensität gewonnen. Die KPÖ Penzing hat sich klar positioniert und fordert eine gemeinnützige Nutzung des Gebäudes. Bezirksrat Jonas Kraft kritisiert den Leerstand als eine politische Entscheidung, die dringend überdacht werden sollte. Vorschläge für die Nutzung reichen von einem Nachbarschaftszentrum über Kinder- und Jugendeinrichtungen bis hin zu Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen sowie Kultur- und Initiativenräumen.
Der Eigentümer der Liegenschaft, die Supernova-Gruppe aus Graz, hat auf die anhaltenden Gespräche mit verschiedenen Interessenten hingewiesen. Pressesprecher Michael Slamanig betonte, dass trotz der Bemühungen nach sechs Monaten noch keine Entscheidung gefallen ist. Ein erneutes Möbelhaus scheint eher unwahrscheinlich, und konkrete Pläne sollen in der zweiten Jahreshälfte 2025 vorgestellt werden. Dies passt in einen größeren Kontext, der die Reaktivierung leerstehender Immobilien in Deutschland betrifft, ein Problem, das in vielen Städten und Gemeinden zunehmend auf der Agenda steht. Quelle
Plattform zur Aktivierung von Leerständen
Am 21. Januar 2025 wurde die Online-Plattform „Potenzial Leerstand“ von Bundesbauministerin Klara Geywitz vorgestellt. Diese Plattform zielt darauf ab, Informationen zur Reaktivierung leerstehender Immobilien bereitzustellen und richtet sich an Kommunen, Akteure der Wohnungswirtschaft sowie private und öffentliche Initiativen. Im Fokus stehen Erfolgsgeschichten von Städten, die leerstehende Gebäude erfolgreich in Wohnraum umgewandelt haben. Beispiele wie Naumburg (Saale) und Wunsiedel zeigen, dass innovative Ansätze zur Aktivierung von Leerständen durchaus möglich sind. Die Plattform bietet zudem Hilfestellungen zur Erfassung und Dokumentation von Leerständen sowie Informationen zu aktuellen Förderprogrammen von Bund, Ländern und der EU.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) betreibt diese Plattform im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Teil der Handlungsstrategie zur Leerstandsaktivierung ist auch die Einbettung in regionale Strategien, die darauf abzielen, den Wohnraummangel in Deutschland zu bekämpfen. Quelle
Strategien zur Bekämpfung des Leerstands
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH) engagiert sich ebenfalls im Bereich der Leerstandsaktivierung. Es beteiligt sich am „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ und fördert ein Wissenstransfer-Projekt der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (ASG), das sich mit Innenentwicklung und der Bekämpfung von Leerständen beschäftigt. Das Projekt, das im April 2024 startet und über drei Jahre laufen soll, wird wissenschaftliche Erkenntnisse und kommunale Erfahrungen auswerten und verbreiten. Ziel ist es, Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zu motivieren, leerstehende Gebäude wieder zu nutzen.
In Anbetracht der Herausforderungen, die der Gebäudesektor durch fehlenden Wohnraum, gestiegene Kreditzinsen und hohe Baukosten zu bewältigen hat, wird die Entwicklung effektiver Handlungsstrategien immer wichtiger. Die Frage nach der Motivation und den Hindernissen bei der Aktivierung von Leerständen ist zentral, um innovative Lösungen zu finden und die Nutzung leerstehender Immobilien voranzutreiben. Quelle
Die Entwicklungen rund um das Leiner-Haus und die entsprechenden Initiativen zeigen, dass es einen klaren Handlungsbedarf gibt. Die Zeit drängt, und es bleibt zu hoffen, dass die verschiedenen Akteure in Penzing gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die dem wachsenden Bedarf an Wohn- und Sozialraum gerecht wird.