In Penzing, einem Stadtteil Wiens, wurden kürzlich bei Bauarbeiten eine Wehrmachts-Sprenggranate entdeckt und entschärft. Dieses Ereignis wirft ein Licht auf die gefährlichen Kriegsrelikte, die sich noch immer im Boden der Stadt befinden. Wien ist nicht nur für seine kulturellen Schätze bekannt, sondern auch für die vielen unbekannten Gefahren, die unter der Erdoberfläche schlummern. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wien 52 Mal bombardiert, was mehr als die 17 Bombardierungen in Berlin ausmachte. Diese tragischen Ereignisse hinterließen zahlreiche explosive Überreste, von denen viele nicht öffentlich bekannt gemacht werden sollen, wie in einem Bericht erwähnt wird.

Der Entminungsdienst des Verteidigungsministeriums war im Februar erneut in Wien aktiv, um mit diesen Relikten umzugehen. Österreich hat im Jahr 2019 insgesamt 1.140 Funde an Kriegsmaterial verzeichnet, die vom Entminungsdienst entsorgt wurden. Im ersten Halbjahr 2020 kam der Dienst sogar 592 Mal zum Einsatz und barg etwa 7.000 kg an Kriegsmaterial. Experten schätzen, dass noch fast 15.000 Blindgänger im Erdreich liegen, was die Dringlichkeit der Thematik verdeutlicht. Bei der Auffindung von Kriegsrelikten gilt die Regel „Finger weg“; verdächtige Objekte sollen sofort der Polizei gemeldet werden.

Die Arbeit des Entminungsdienstes

Der Entminungsdienst des Bundesheeres hat 14 Fachkräfte, die in Wien, Graz und Linz-Hörsching stationiert sind. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Sprengmaterial aus der Zeit vor 1955 zu entsorgen, während jüngeres Material in die Verantwortung des Innenministeriums fällt. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hebt die Bedeutung hervor, Fundstücke nicht zu berühren und unverzüglich die Polizei zu informieren. Die Kosten für die Entschärfung von Kriegsmaterial übernimmt der Bund, allerdings müssen die Kommunen die Suche nach Sprengkörpern selbst finanzieren.

Ein Beispiel für die finanziellen Herausforderungen ist die Stadt Salzburg, die einen Prozess gegen den Bund über 900.000 Euro für die Suche nach Fliegerbomben verlor, da es kein Gesetz zur Regelung der Suche gibt. In Salzburg existiert eine Bombenkarte, die über 120 Verdachtspunkte aufzeigt, und die Kosten für die Oberflächensondierung einer durchschnittlichen Parzelle betragen etwa 800 Euro. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, dass Gemeinden effektive Vorschriften zur gezielten Suche nach Blindgängern haben, während andere möglicherweise nachlässig sind.

Aktuelle Entwicklungen und Sensibilisierung

Im Jahr 2023 war der Entminungsdienst von Januar bis August insgesamt 802 Mal alarmiert worden. Dabei wurden rund 17 Tonnen Kriegsmaterial untersucht, abtransportiert und kontrolliert gesprengt. Die meisten Meldungen kamen aus Niederösterreich, und Relikte werden häufig bei Aushubarbeiten, in Gewässern oder Wäldern entdeckt. Der Dienst, der seit 2013 Teil des Verteidigungsministeriums ist, hat eine Sensibilisierungsaktion gestartet, um die Bevölkerung über den Umgang mit Kriegsrelikten zu informieren. So wurden 6.285 Plakate an alle österreichischen Gemeinden verschickt.

In Graz beispielsweise gibt es einen „Bombenkataster“ mit 190 Verdachtspunkten, wobei 4,8 % des Stadtgebiets als „rote Zone“ gelten. Diese Informationen basieren auf Fotos, die die US-Luftwaffe am 5. August 1945 während Luftangriffen gemacht hat. Es ist klar, dass die Entsorgungskosten für gefundene Kriegsrelikte von der Republik getragen werden, jedoch wird die aktive Suche nach diesen gefährlichen Überresten nicht vom Staat finanziert. Die Sensibilisierung der Bevölkerung ist also unerlässlich, um die Sicherheit in den betroffenen Gebieten zu gewährleisten.