In Österreich ist Brustkrebs, auch als Mammakarzinom bekannt, die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Im Jahr 2025 wurden im Wiener Gesundheitsverbund rund 9.900 Frauen mit dieser Diagnose behandelt. Bei begründetem Verdacht werden Patientinnen direkt in eines der sechs spezialisierten Brustgesundheitszentren im Wiener Gesundheitsverbund überwiesen. Diese Zentren bieten eine umfassende Versorgung, die von der Diagnostik bis zur Nachsorge reicht. Die Klinik Ottakring hat sich durch ihre hohe Qualität in Diagnostik, Therapie und Nachsorge einen Namen gemacht und wurde im Januar 2026 erneut zertifiziert. Diese Zertifizierung erfolgt nach dem international anerkannten DocCert-System, das Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität überprüft. Mehr Informationen zur Versorgung im Wiener Gesundheitsverbund finden Sie hier.
Die Reise zur Diagnose beginnt oft mit einer Mammografie, die im Falle von verdächtigen Befunden (BI-RADS 4 oder 5) zur Überweisung in ein Brustgesundheitszentrum führt. Dort wird am gleichen Tag eine detaillierte diagnostische Bildgebung durchgeführt, die Mammografie, Ultraschall und MRT umfasst, gefolgt von einer Biopsie. Innerhalb einer Woche liegen die Ergebnisse der Biopsie vor. Im sogenannten Mammaboard erarbeiten Experten dann eine individuell abgestimmte Therapieempfehlung, die im direkten Gespräch mit der Patientin besprochen wird. Zu den möglichen Therapien zählen Operation, Chemotherapie und Bestrahlung sowie Kombinationen dieser Methoden. Nach einer Operation folgt häufig eine Strahlentherapie, Anti-Hormon-Therapie oder Chemotherapie. Sollte es erforderlich sein, steht das Team der Plastischen Chirurgie für Brustrekonstruktionen bereit.
BI-RADS: Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik
Ein zentraler Aspekt der Diagnostik ist das BI-RADS-System, das für „Breast Imaging-Reporting and Data System“ steht. Dieses System dient der Beschreibung von Ergebnissen aus Brustbildgebungstests wie Ultraschall, Mammographie und MRT. Das Ziel des BI-RADS-Systems ist es, eine Standardisierung der Berichterstattung durch Radiologen zu ermöglichen und das Brustkrebsrisiko verständlich zu kommunizieren. Die BI-RADS-Kategorien sind von 0 bis 6 nummeriert, wobei jede Kategorie eine unterschiedliche Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Tumors angibt. Besonders die Kategorien 4 und 5 sind entscheidend: BI-RADS 4 deutet auf eine verdächtige Anomalie hin und empfiehlt eine Biopsie, während BI-RADS 5 einen starken Hinweis auf Bösartigkeit gibt. Weitere Details zu BI-RADS finden Sie hier.
Die Nachsorge nach einer Brustkrebsbehandlung ist von großer Bedeutung. In den ersten drei Jahren erfolgen alle sechs Monate Untersuchungen, danach jährlich. Diese Nachsorge umfasst gynäkologische Untersuchungen, Mammografien und Ultraschall, ergänzt durch weitere diagnostische Maßnahmen, falls nötig. Die regelmäßige Nachsorge trägt maßgeblich zur Früherkennung eines möglichen Rückfalls bei.
Die Bedeutung von Screening-Programmen
Ein weiterer bedeutsamer Aspekt in der Bekämpfung von Brustkrebs ist das Mammographie-Screening-Programm in Deutschland, das sich an Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren richtet. Eine Studie hat gezeigt, dass etwa jeder vierte Brustkrebstodesfall in der anspruchsberechtigten Altersgruppe durch regelmäßige Teilnahme am Screening-Programm verhindert werden kann. Zwischen 2009 und 2018 wurde eine um 20-30 Prozent geringere Brustkrebssterblichkeit bei Teilnehmerinnen im Vergleich zu Nicht-Teilnehmerinnen nachgewiesen. Die Ergebnisse belegen, dass der Nutzen des Mammographie-Screening-Programms das geringe zusätzliche Brustkrebsrisiko durch Röntgenstrahlung überwiegt. Diese Studie ist eine der größten international zu diesem Thema und wurde von der Universität Münster geleitet. Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.
Insgesamt zeigt sich, dass die Kombination aus modernen Diagnoseverfahren, spezialisierten Behandlungszentren und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung von Brustkrebs leistet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Brustgesundheitszentren und die kontinuierliche Forschung sind essenziell, um die Überlebenschancen der betroffenen Frauen zu erhöhen und die Lebensqualität im Falle einer Diagnose zu verbessern.