Im Herzen Wiens, im beeindruckenden Gartenpalais Liechtenstein, läuft derzeit die Ausstellung „Noble Begierden“. Diese bemerkenswerte Schau beleuchtet die Entstehung des europäischen Kunstmarkts und erstreckt sich von der römischen Antike bis ins Wien des Fin de Siècle. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Fürst von Liechtenstein, Johann Adam Andreas I., bereits im Jahr 1700 zwei Gemälde von Peter Paul Rubens für 5000 rheinische Gulden und einen diamantbesetzten Degen erwarb. Dieser Kauf wurde durch eine Urkunde besiegelt, die mit Feder unterzeichnet wurde. Die Fürstenfamilie Liechtenstein hat über 400 Jahre hinweg eine beeindruckende Kunstsammlung aufgebaut, die mehr als 1700 altmeisterliche Gemälde, italienische Bronzen und antike Skulpturen umfasst, und ein Teil dieser Sammlung ist im Gartenpalais und im Stadtpalais in Wien ausgestellt.

Die Ausstellung „Noble Begierden“ wurde von Stephan Koja, Yvonne Wagner und Christian Huemer kuratiert. Sie bieten nicht nur einen Einblick in die Kunstgeschichte, sondern veranstalten auch Workshops mit internationalen Experten, um die Entwicklungen des Kunstmarkts zu diskutieren. Der Kunstmarkt galt lange als unseriös, brachte jedoch wichtige Neuerungen hervor, wie Werkverzeichnisse und Sammlungskataloge. Künstler wie Albrecht Dürer und die Bruegel-Sippe vermarkteten sich selbst, während andere Künstler erst durch Händler bekannt wurden. Die Kunstmesse nahm ihren Anfang im 16. Jahrhundert in Antwerpen, wo Luxuswaren wie Gemälde und Wandteppiche angeboten wurden.

Die Entwicklung des Kunstmarkts

Ein zentraler Aspekt des Kunstmarkts war bereits im alten Rom die Vervielfältigung von Kunstwerken, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Im 17. Jahrhundert besaß eine bürgerliche Familie in Amsterdam durchschnittlich 37 Gemälde. Rembrandt verfolgte 1639 eine Nachlassauktion, bei der Raffaels „Porträt von Baldassare Castiglione“ versteigert wurde, und notierte den Preis von 3500 Gulden. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört das Galerienbild „Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest“ von Willem van Haecht aus dem Jahr 1628.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Nachfrage nach Kunst beeinflusste, war die Grand Tour junger Briten, die nach Italien reisten, um Bildgattungen wie Veduten und Capriccios zu suchen. Der dritte Duke of Beaufort ließ 1726 in Florenz einen Barockschrank mit Pietra-dura-Dekor anfertigen, der 2004 für beeindruckende 27 Millionen Euro versteigert wurde. Im 19. Jahrhundert entstanden in Frankreich immer mehr Galerien, die Künstler von den Pariser Salons unabhängig machten.

Ein Blick auf die Gegenwart

Die Ausstellung endet mit Gustav Klimts Gemälde „Nuda Veritas“ aus dem Wiener Theatermuseum, das eine kritische Haltung zur Kommerzialisierung der Kunst ausdrückt. „Noble Begierden“ ist bis zum 6. April 2026 im Gartenpalais Liechtenstein zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr, und der Eintritt ist frei. Diese Schau bietet nicht nur eine faszinierende Reise durch die Kunstgeschichte, sondern thematisiert auch die Mechanismen des Kunstmarkts, von Marktplätzen über Verkaufsstrategien bis hin zur Preisgestaltung.

Die Fürstlichen Sammlungen wurden über Jahrhunderte von den Fürsten von Liechtenstein aufgebaut. In der Nachkriegszeit musste das Fürstenhaus bedeutende Kunstschätze verkaufen, um seine Existenz zu sichern. Fürst Hans-Adam II. führte eine aktive Ankaufspolitik durch, die zu über tausend Neuerwerbungen führte, und die Kunstsammlung wurde nachhaltig erweitert. Die beiden Palais, die seit über 300 Jahren im Besitz des Fürstenhauses Liechtenstein sind, wurden umfassend restauriert und wiedereröffnet (Gartenpalais: 2004, Stadtpalais: 2013). Beide Palais sind im Rahmen von Führungen zugänglich und bieten einen Einblick in die beeindruckende Sammlung.

Die Ausstellung „Noble Begierden“ ist ein wichtiger Schritt, um die nachhaltigen Auswirkungen des Handels auf die Verbreitung von Kunstwerken und die Kunstgeschichtsschreibung zu veranschaulichen. Sie ist nicht nur ein Fest für Kunstliebhaber, sondern auch eine Gelegenheit, die Geschichte und Entwicklung des Kunstmarkts besser zu verstehen. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie in dem Artikel der FAZ und auf der Seite der Fürsten von Liechtenstein.