In Österreich zeigt die Bauwirtschaft Anzeichen eines vorsichtigen Optimismus, trotz der Herausforderungen, die die Branche in den letzten Jahren geprägt haben. Laut einer aktuellen Marketagent-Studie, die im Auftrag des deutschen Dachkeramikherstellers Erlus durchgeführt wurde, plant fast jeder dritte Österreicher in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Bau- oder Wohnprojekte. Dies entspricht etwa 2,4 Millionen Menschen, die sich eine Verwirklichung ihrer Wohnträume erhoffen. Diese Studie wurde am „Hausbau Tag 2026“ im Wiener Stephansdom präsentiert, einem symbolträchtigen Ort, der mit einer Treppe von rund 120 Stufen über dem Stephansplatz gewählt wurde, um den Aufstieg der Branche nach Jahren der Stagnation zu verdeutlichen (Die Presse).
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betonte auf der Veranstaltung die zentrale Bedeutung der Bauwirtschaft für die heimische Wirtschaft. Mit etwa 40.000 Bauunternehmen, über 270.000 Beschäftigten und 15.000 Lehrlingen stellt die Branche einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Um die Investitionsbereitschaft zu fördern, kündigte der Minister verschiedene Maßnahmen an, darunter eine Novelle der Gewerbeordnung, die administrative Hürden abbauen und Verfahren vereinfachen soll. Hattmannsdorfer sieht die Notwendigkeit einer „Trendwende in der Zuversicht“ für Bauen und Sanieren und verweist auf positive Entwicklungen wie die Senkung der Inflation und Entbürokratisierung.
Herausforderungen der Branche
Trotz der positiven Aussichten gibt es zahlreiche Herausforderungen, die den Hausbaumarkt belasten. Hohe Materialkosten, eine zurückhaltende Nachfrage sowie ein Fachkräftemangel und sinkende Lehrlingszahlen setzen der Branche zu. Diese komplexen regulatorischen Vorgaben erschweren die Durchführung von Bauprojekten und führen zu einer allgemeinen Unsicherheit unter Bauträgern. So wurde beispielsweise die Begutachtung der Novelle der Gewerbeordnung abgeschlossen, doch die Zustimmung ist nicht unumstritten. Widerstand kommt von verschiedenen Interessensvertretungen, darunter der Österreichische Städtebund und mehrere Landesregierungen, die Bedenken hinsichtlich der Umweltverträglichkeitsprüfungen äußern (Mein Bezirk).
Ein weiterer Aspekt, der die Branche beschäftigt, sind die gestiegenen Zinsen für Wohnbaukredite, die eine Hürde für viele Eigenheimbesitzer darstellen. Die KIM-Verordnung, welche die Kreditvergaberechtslage verschärfte, führte zu einer Abnahme der Kredite für private Bauherren. Obwohl die Zinswende mit sinkenden Leitzinsen 2024 begann, ist ein sprunghafter Anstieg der Baugenehmigungen nicht zu erwarten. Private Bauträger agieren zunehmend vorsichtiger, was zu einem Rückgang der fertiggestellten Wohnungen führt. In Wien etwa werden im Jahr 2025 voraussichtlich nur etwa 4.700 Mietwohnungen fertiggestellt (Infina).
Der Ausblick auf die Bauwirtschaft
Die Bauwirtschaft hat sich in den letzten Jahren durch verschiedene staatliche Maßnahmen, wie Gebührenbefreiungen und steuerliche Erleichterungen, Unterstützung erhofft. Auch die Novelle des Umweltverträglichkeitsgesetzes (UVP-G) ist geplant, um Verzögerungen bei zentralen Infrastrukturprojekten zu vermeiden. Angesichts der aktuellen Trends wird die Sanierung von Bestandsgebäuden zunehmend als kostengünstige Alternative zum Neubau betrachtet. Der Handwerkerbonus steht bis Ende Februar 2026 zur Verfügung, um Renovierungen zu fördern und mehr Wohnraum zu schaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die österreichische Bauwirtschaft trotz einiger Herausforderungen mit einem vorsichtigen Optimismus in die Zukunft blickt. Die Bereitschaft der Österreicher, in ihre Wohnprojekte zu investieren, sowie die geplanten gesetzlichen Reformen könnten entscheidende Impulse liefern, um die Branche nachhaltig zu stärken und die Wohnraumsituation zu verbessern.