Was passiert in Neubau? Bezirkschef Markus Reiter (Grüne) hat heute ein starkes Zeichen gesetzt, indem er öffentlich eine Airbnb-Schlüsselbox von einem Zaun entfernt hat. Diese Boxen symbolisieren für ihn den Verlust von leistbarem Wohnraum in der Stadt. „Diese Schlüsselboxen ermöglichen die anonyme Übergabe von Schlüsseln für Kurzzeitvermietungen, die uns den Wohnraum entziehen“, so Reiter. Der Anstieg der Kurzzeitvermietungen in Neubau ist alarmierend: von rund 100 vor zehn Jahren auf über 700 heute. Bald könnten laut der aktuellen Bauordnung bis zu 3.000 Airbnb-Wohnungen in dem Bezirk zugelassen werden. Dies macht schon mehr als 5% des gesamten Wohnraums aus.

Wie geht es für Familien weiter, die auf der Suche nach Wohnungen sind? Reiter berichtet von erheblichen Schwierigkeiten, geeigneten Wohnraum zu finden. Besonders für Familien wird es immer schwieriger, sich in der Stadt einzurichten, da Airbnb zunehmend Wohnraum in touristische Unterkünfte verwandelt. Die Akademie der Wissenschaften hat diesen Anstieg ebenfalls bestätigt, und Reiter fordert vehement ein klares Verbot von Airbnb in Wohnzonen. Unterstützung erhält er von seinem grünen Stadtrat-Kollegen Georg Prack, der seine Argumente teilt.

Regulierung von Kurzzeitvermietungen

Die Problematik der Kurzzeitvermietungen ist nicht nur in Neubau ein Thema, sondern betrifft viele Städte in Europa. Wie der Bericht von Alloggia verdeutlicht, führt die Umwandlung regulärer Wohnungen in Ferienunterkünfte in vielen Städten zu ernsthaften Problemen. Es wird nicht nur Wohnraum entzogen, sondern auch Mieten steigen und Mieter werden verdrängt. Anwohner kämpfen vermehrt mit Lärmbelästigung und Abfallproblemen durch Touristen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben einige Städte bereits Zweckentfremdungsverordnungen erlassen. Verstöße dagegen können mit Bußgeldern von bis zu 500.000 Euro geahndet werden. Auch auf europäischer Ebene hat sich die Rechtslage für Plattformen wie Airbnb verschärft. Ein EuGH-Urteil von 2020 hat Maßnahmen zur Regulierung von Kurzzeitvermietungen gestärkt.

Neue EU-Regeln und deren Auswirkungen

Die neuen EU-Regeln für Kurzzeitvermietungen, die ab Mai 2024 in Kraft treten, sollen eine digitale Kontrolle für solche Vermietungen ermöglichen. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium passiert die Hälfte der Beherbergungen in der EU mittlerweile über Kurzzeitvermietungen. Reisende ziehen mittlerweile Privatwohnungen im Stadtzentrum häufig Hotelzimmern vor. Doch der Preis dafür ist ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum für die lokale Bevölkerung.

Die EU-Verordnung zielt darauf ab, eine zentrale digitale Zugangsstelle für Behörden zu schaffen und ein digitales Registrierungsverfahren für Gastgeber einzuführen. Dies soll nicht nur die Kontrolle verbessern, sondern auch dazu beitragen, lokale Bedürfnisse in der Regulierung zu berücksichtigen. Staaten haben seither die Möglichkeit, die Kurzzeitvermietungen in ihren Städten einzuschränken oder sogar zu verbieten.

Reiter appelliert an die Stadtregierung, sein Anliegen für ein klares Verbot im neuen Regierungsprogramm zu verankern. „Es liegt uns am Herzen, unsere Stadt für die lokale Bevölkerung zu erhalten“, betont er. Der Massentourismus bringt puren Stress und sollte nicht auf Kosten der ansässigen Familien geschehen. Nur so kann Neubau weiterhin ein lebendiger Ort zum Wohnen und Leben bleiben.