In der österreichischen Hauptstadt Wien ist die Realität für viele Schülerinnen und Schüler an sogenannten Brennpunktschulen alles andere als rosig. Ein eindringliches Beispiel dafür sind die Erfahrungen der Tochter von Victoria K., die in einer Volksschule in Wien-Meidling zur Schule geht. Ihre Tochter war die einzige deutschsprachige Schülerin und zudem die einzige Österreicherin ohne Migrationshintergrund in ihrer Klasse. Diese Situation führte dazu, dass das Kind gemobbt und aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen wurde. Es gab keine Einladungen von anderen Kindern, da sie nicht deren Sprache sprach. Auch ihre Essgewohnheiten und Kleidung wurden schief angeschaut und negativ angesprochen. Nach einem halben Jahr konnten die Kinder in ihrer Klasse nur sehr begrenzt schreiben, was die Eltern dazu veranlasste, ihre Tochter zu Hause im Schreiben zu unterrichten. Aufgrund der unzureichenden Bildung und der Probleme in der Klasse entschieden sie sich schließlich, das Kind in eine Privatschule zu schicken. Der Klassenlehrer äußerte sich resigniert zu den Problemen und sagte: „Was sollen wir da machen, wir haben keine Chance.“ Diese Schilderungen sind Teil einer größeren Problematik, die viele Kinder in ähnlichen Verhältnissen betrifft, wie in einem Artikel auf heute.at beschrieben wird.
Herausforderungen an Brennpunktschulen
Der Begriff „Brennpunktschulen“ bezeichnet Bildungseinrichtungen in strukturschwachen Quartieren, die häufig von bildungsbenachteiligten Kindern besucht werden. Diese Schulen stehen vor besonderen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf den hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund und sozialer Benachteiligung. Bahar Aslan kritisiert die Verwendung dieses Begriffs im öffentlichen Diskurs, da er oft mit einem hohen Migrationsanteil assoziiert wird und zu rassistisch aufgeladenen Debatten führt. Sie erkennt jedoch die bestehenden Probleme, wie den Mangel an Personal an diesen Schulen. Aslan fordert eine adäquate soziale Bildungspolitik, die Familien unterstützt, um Chancengleichheit zu fördern. Dabei betont sie, dass Schulen nicht unterschiedlich attraktiv für Lehrkräfte sein sollten. Ihre Ansichten zu den Herausforderungen im Unterricht und den emotionalen Bedürfnissen der Schüler*innen sind ein eindringlicher Hinweis auf die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen an Brennpunktschulen zu verbessern, wie sie in einem Artikel auf bpb.de erläutert.
Bildungschancen im Fokus
Die Bundesregierung hat nun reagiert und ab diesem Schuljahr erhalten Tausende Schulen in sozialen Brennpunkten zusätzliche Mittel von Bund und Ländern bis mindestens 2034. Im Rahmen des „Startchancen-Programms“ fließen insgesamt 20 Milliarden Euro in die Verbesserung der Bildungsbedingungen an Brennpunktschulen. Ziel ist es, die Chancenungleichheit abzubauen und die Anzahl der Schüler:innen, die Mindeststandards in Deutsch und Mathe verfehlen, bis zum Ende der Laufzeit zu halbieren. Die Schulleitungen berichten jedoch von schwierigen Arbeitsbedingungen, fehlender elterlicher Unterstützung und Personalsorgen. Über 60% der Kinder haben kein oder ungesundes Frühstück, und viele haben traumatische Erfahrungen gemacht. Dies zeigt, dass die Lernvoraussetzungen der Kinder ungünstig sind, was die Effektivität des Unterrichts stark beeinträchtigt. Umso wichtiger ist es, dass die Maßnahmen des Programms tatsächlich die Bildungschancen verbessern, wie in einem Artikel auf taz.de beschrieben wird.
Insgesamt ist es entscheidend, dass die Bildungspolitik nicht nur auf das Engagement einzelner Lehrkräfte setzt, sondern umfassende strukturelle Veränderungen anstrebt, um den Kindern aus benachteiligten Verhältnissen einen besseren Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Nur so kann langfristig Chancengleichheit hergestellt werden und ein positiver Bezug zu Bildungseinrichtungen gefördert werden.