In Wien-Mariahilf, besonders rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße, hat sich die Drogenszene in den letzten Jahren zu einem ernsthaften Problem entwickelt. Ein aktueller Vorfall, bei dem ein 46-jähriger Wiener von zwei Männern, die der Drogenszene angehören sollen, überfallen und verletzt wurde, verdeutlicht die brisante Lage. Die Täter boten dem Mann Suchtgift an, doch nach der Ablehnung wurde er brutal zu Boden geschlagen und seiner Geldbörse sowie seines Handys beraubt. Ein Verdächtiger, ein 26-Jähriger, konnte kurz darauf gefasst und vom Opfer identifiziert werden. Er war unter Drogeneinfluss und hatte zuvor versucht, ein Messer zu stehlen. Der Vorfall stellt nur einen kleinen Teil der alarmierenden Statistik dar: In Wien-Mariahilf gibt es 15,7 Drogendelikte pro 1.000 Einwohner, was den Bezirk an zweiter Stelle aller Wiener Bezirke einordnet, hinter der Wiener City (Quelle).
Die Situation wird besonders im Winter gravierender, da viele Suchtkranke in Stiegenhäuser und Kellerräume ausweichen, was zu Einbrüchen und Vandalismus in den umliegenden Nachbarschaften führt. Ein Mehrparteienhaus in der Nähe der U6-Station musste allein im Jahr 2024 etwa 15.000 Euro für Reparaturen und Reinigungen aufbringen. Maßnahmen wie UV-Lampen zur Eindämmung des Spritzenkonsums zeigen laut Anrainern kaum Wirkung. Martina Hammerer, die Obfrau der ÖVP-Frauen in Wien-Mariahilf, beschreibt das Gebiet als Kriminalitätsschwerpunkt und fordert von der Stadt Wien konkrete Sicherheitsmaßnahmen.
Drogenkonsum und Sicherheitsmaßnahmen
Die Problematik des offenen Drogenkonsums und der herumliegenden Spritzen hat in der Umgebung der U6-Station Gumpendorfer Straße ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Die Wiener Stadtverwaltung reagiert auf diese Situation und plant einen Sicherheitsgipfel mit Polizeivertretern, um neue Lösungsansätze zu entwickeln. Suchtkoordinator Ewald Lochner hat diesen Gipfel angekündigt und betont, dass die Zahl der mobilen Sozialarbeiter seit der Pandemie um 60 Prozent auf etwa 225 erhöht wurde. Dennoch beklagen Anrainer und Gewerbetreibende die Zustände und schildern drastische Szenen des Drogenkonsums, insbesondere in den frühen Morgenstunden. Eine Unternehmerin erwägt sogar einen Standortwechsel aufgrund der verunsicherten Kundschaft (Quelle).
Zusätzlich wurden die Reinigungsintervalle in der Umgebung intensiviert, doch die Polizei sieht sich trotz täglichem Engagement mit verschiedenen Einheiten zwischen 9 und 21 Uhr mit einer unzureichenden Präsenz konfrontiert. Lochner kritisiert die mangelnde Verfolgung des Drogenhandels und fordert zusätzliche Maßnahmen, wie die Dezentralisierung der Suchthilfeeinrichtungen und die Einführung von Videoüberwachung.
Der Blick auf die Drogensituation in Österreich
Diese Entwicklungen sind Teil eines größeren Problems, das im jährlichen „Bericht zur Drogensituation in Österreich“ behandelt wird, welcher im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und des Gesundheitsministeriums erstellt wird. Der aktuelle Bericht, der die epidemiologische Situation im Jahr 2023 erfasst, beleuchtet nicht nur die Drogenmärkte und Drogendelikte, sondern auch die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Maßnahmen zur Nachfragereduktion. Die letzte Aktualisierung des Berichts fand am 29. Jänner 2024 statt (Quelle).
Die Situation in Wien-Mariahilf ist also nicht nur ein lokales, sondern auch ein landesweites Problem, das dringender Lösungen bedarf. Die Forderungen nach mehr Sicherheit und effektiven Maßnahmen zur Bekämpfung der Drogenkriminalität werden lauter, während die Stadtverwaltung unter Druck gerät, endlich aktiv zu werden.