Das Volkstheater in Wien blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die im Jahr 1889 begann. Gegründet von Ludwig Anzengruber und Felix Fischer, wurde es ursprünglich als „Deutsches Volkstheater“ ins Leben gerufen. Die Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer entwarfen das beeindruckende Gebäude, das sich am Arthur-Schnitzler-Platz 1 im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau, gegenüber dem Naturhistorischen Museum, befindet. Mit einer Kapazität von ursprünglich 1901 Plätzen zählt das Volkstheater zu den größten Bühnen im deutschsprachigen Raum und sollte als bürgerliches Gegenstück zum kaiserlichen Hofburgtheater fungieren.

Die Eröffnung fand am 14. September 1889 mit Anzengrubers Schauspiel „Der Fleck auf der Ehr’“ statt. In den 1920er Jahren erlebte das Theater unter den Direktoren Alfred Bernau und Rudolf Beer künstlerische Höhepunkte. Doch die turbulente Geschichte des Theaters führte dazu, dass es von 1938 bis 1945 Teil des nationalsozialistischen Freizeitprogramms „Kraft durch Freude“ war. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Günther Haenel die Direktion und brachte einen modernen, gesellschaftskritischen Spielplan auf die Bühne. Im Laufe der Jahrzehnte stellte das Volkstheater zahlreiche bedeutende Regisseure ein, darunter Leon Epp und Gustav Manker, die das Repertoire mit zeitgenössischen und modernen österreichischen Dramen bereicherten.

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Finanzielle Herausforderungen und Sanierung

In den letzten Jahren hat das Volkstheater jedoch mit Herausforderungen zu kämpfen. Ein Bericht des Stadtrechnungshofs aus dem Oktober 2019 wies auf eine prekäre finanzielle Lage hin. Die Zuschauerzahlen sind im Laufe der Jahre gesunken, und die Kapazität wurde auf 832 Plätze reduziert. Um dem entgegenzuwirken, startete im Sommer 2015 eine Generalsanierung des Theaters, die mit Kosten von 27,3 Millionen Euro veranschlagt wurde. Die Sanierungsarbeiten umfassten sowohl die Fassade als auch die Innenräume und legten besonderen Wert auf die Verbesserung der Barrierefreiheit.

Das Volkstheater engagiert sich zudem aktiv für die Gemeinschaft mit der Spielreihe „Volkstheater in den Außenbezirken“, die seit 1954 in 19 Wiener Bezirken Produktionen präsentiert. Trotz finanzieller Schwierigkeiten erhielt das Theater Einladungen zum renommierten Berliner Theatertreffen in den Jahren 1970 und 2022 und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 22 Nestroy-Theaterpreise.

Ein neuer Intendant für frischen Wind

Mit der Ankunft von Jan Philipp Gloger als neuer Intendant, der am 22. Februar 2024 in einer online gestreamten Pressekonferenz vorgestellt wurde, könnte eine neue Ära für das Volkstheater eingeläutet werden. Gloger, geboren 1981 in Hagen/Westfalen, ist Schauspiel- und Opernregisseur und tritt die Nachfolge von Kay Voges an. Während seiner Intendanz hat Voges das Volkstheater international positioniert, und Gloger bringt frische Ideen mit, darunter ein Interesse an digitalen Techniken und Formaten. Er plant, den „Volksbegriff“ gegen Populismus zu verteidigen und die Komplexität und Differenziertheit des Theaters zu stärken.

Gloger wird mit der Regisseurin Rieke Süßkow und dem Theatermusiker Kostia Rapoport zusammenarbeiten, um den Schwerpunkt auf „Schauspiel und Musik“ zu legen. Mit 47 Bewerbungen für die Intendantenstelle, davon 11 aus Österreich, war die Konkurrenz groß, doch Glogers umfangreiche Erfahrungen, die er als freier Regisseur an verschiedenen renommierten Theatern gesammelt hat, sichern ihm einen vielversprechenden Start.

Theatergeschichte in Wien

Die Theatergeschichte in Wien hat ihre Wurzeln im Mittelalter mit christlichem Drama und Passionsspielen und entwickelte sich über die Jahrhunderte weiter. Die Bedeutung des Theaters in der Stadt wuchs im Laufe der Zeit, mit der Etablierung von Privattheatern und großen Bundestheatern im 20. Jahrhundert. Das Volkstheater ist Teil dieser reichen Tradition und spielt eine wesentliche Rolle in der kulturellen Landschaft Wiens.

Die Herausforderungen, die das Volkstheater in der heutigen Zeit bewältigen muss, sind nicht ungewöhnlich für ein Haus mit solch einer langen Geschichte. Die anhaltende Unterstützung der Stadt Wien und der Republik Österreich sowie das Engagement, die Theaterlandschaft durch innovative Ansätze zu bereichern, sind entscheidend für die Zukunft des Volkstheaters. Für weitere Informationen zur Geschichte des Volkstheaters in Wien, besuchen Sie bitte diese Seite.

Zusätzlich können Sie sich über die Theatergeschichte Wiens auf dieser Plattform informieren.