In Margareten, einem der lebendigsten Stadtteile Wiens, brodelte lange Zeit die Planung für den Neubau einer Schule in der Castelligasse 9/Viktor-Christ-Gasse. Doch nun hat die Stadt Wien das Projekt auf Eis gelegt, was für viele Überraschung und Unverständnis sorgt. Die Entscheidung, die seit Jahren bestehenden Planungen zu stoppen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die notwendigen Schritte bereits fast abgeschlossen waren. Das Flächenwidmungsverfahren war im Gange, und die Einweihung der neuen Volksschule sowie einer Schule für inklusive Pädagogik war für den Herbst 2028 vorgesehen.
Bezirksvorsteher Michael Luxenberger von den Grünen äußerte sich kritisch zu dieser Entscheidung und forderte einen klaren Zeitplan für die zukünftige Vorgehensweise. „Es ist bedauerlich, dass wir keine Baumaschinen auf der Baustelle sehen werden“, so Luxenberger. Die Stadt Wien begründet die Stopp-Entscheidung mit budgetären Gründen, was besonders in einem Stadtteil, der auf eine gute Schulbildung angewiesen ist, Fragen aufwirft. Der Vertrag mit dem „Creative Cluster“, das seit August 2019 in dem alten Berufsschulgebäude aktiv ist, wurde vorerst verlängert, sodass die dort ansässigen Künstlerinnen und Künstler weiterhin ihre kreativen Projekte in den Räumen umsetzen können. Informationen dazu finden Sie in einem ausführlichen Artikel.
Kreative Nutzung des Schulgebäudes
Die Idee, ein Schulgebäude in der Viktor-Christ-Gasse für kreative Zwecke umzunutzen, geht auf Initiativen zurück, die bereits seit Ende 2018 in Kontakt mit der MA 56 (Wiener Schulen) stehen. Das Konzept des Creative Clusters, für das Karim El Seroui den Zuschlag erhielt, wurde schnell Wirklichkeit. Seit August 2019 ziehen die ersten Nutzer:innen in die neu umgestalteten Räumlichkeiten ein, die als Ateliers, Gemeinschaftsküche, kleine Turnhalle und mit einem Innenhof nach einem Begrünungskonzept gestaltet wurden. Die Umnutzung des Gebäudes hat sich als voller Erfolg erwiesen, denn die Räume waren schnell an zahlreiche kreative Köpfe vergeben.
Der Creative Cluster fungiert nicht nur als Kunstinkubator und Kommunikationsplattform, sondern hat auch Platz für Projekte wie das Architektur- und Designkollektiv mostlikely, das HipHop Label Heiße Luft sowie eine DJ-Schule für Frauen geschaffen. Diese vielfältige kreative Nutzung bringt frischen Wind in den Stadtteil und zeigt, wie wichtig solche Räume für die lokale Kultur sind. Mehr Informationen über die Aktivitäten und Angebote des Creative Clusters finden Sie auf der Website.
Ein Blick in die Zukunft
Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig es ist, innovative Ideen zur Nutzung von städtischen Räumen zu fördern. Während die Pläne für die neue Schule vorerst auf Eis liegen, bietet das Creative Cluster eine Plattform, die nicht nur künstlerische Aktivitäten unterstützt, sondern auch eine Gemeinschaft von kreativen Menschen bildet. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt Wien auf die Kritik reagieren wird und ob es bald einen neuen Plan für die Schulnutzung geben wird. Die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen und der Stadt könnte auf lange Sicht dazu führen, dass auch die Schulplanung wieder in die richtige Bahn gelenkt wird.
In einem dynamischen Stadtteil wie Margareten ist der Bedarf an Bildungseinrichtungen und kreativen Räumen unbestritten. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung bleibt, während die Künstlerinnen und Künstler weiterhin ihrer Leidenschaft nachgehen können und somit die kulturelle Vielfalt der Region bereichern.