Am 29. Januar 2023 wurde das Licht im Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ) in Margareten endgültig gelöscht. Nach 40 Jahren der Unterstützung für Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen musste die Einrichtung schließen. Die Entscheidung fiel im Rahmen von Sparmaßnahmen der Stadt Wien, die die Finanzierung des Projekts einstellte. Diese Entwicklung hinterlässt tiefgreifende Auswirkungen auf die rund 100 Menschen, die bislang von den Angeboten des SPZ profitierten, sowie auf die sechs Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verloren.

Die Caritas als verantwortliche Trägerin des SPZ konnte ohne die jährliche Förderung von 540.000 Euro durch den Psychosozialen Dienst (PSD) der Stadt Wien das Projekt nicht weiterführen. Ursprünglich war geplant, dass die Förderung ab 2025 vom PSD übernommene wird, doch am 21. Oktober 2025 wurde überraschend die komplette Streichung der Mittel verkündet. Bezirksvorsteher Michael Luxenberger äußerte sich besorgt über die möglichen Versorgungslücken, die sich aus dieser Schließung ergeben könnten.

Folgen der Schließung

Die Schließung des SPZ hat für viele Betroffene schwerwiegende Konsequenzen. Einige der ehemaligen Klienten könnten ihre Wohnungen verlieren oder in Akutkrankenhäuser aufgenommen werden müssen. Oliver Dominic, einer der Betroffenen, bezeichnete die Schließung als „Katastrophe“ und betonte, wie wichtig der stabile Ort für ihn war. Der ärztliche Leiter des Zentrums, Thomas Wochele-Thoma, warnte vor den negativen Auswirkungen von Behandlungsabbrüchen, insbesondere bei Menschen mit schizophrenen Erkrankungen.

Die Caritas bot im SPZ eine breite Palette an Leistungen an, darunter psychiatrische Grundversorgung, Einzel- und Gruppentherapien sowie soziale Beratung und kreative Gruppenangebote wie Musik- und Tanztherapie. Viele Klienten verlieren nicht nur den Zugang zu Therapieangeboten, sondern auch soziale Kontakte und Freunde, was die Enttäuschung und Sorge über die Folgen der Schließung verstärkt.

Alternativen und Herausforderungen

Ab 2024 sollen die betroffenen Personen auf städtische psychosoziale Dienste zurückgreifen können. Diese werden jedoch von vielen als unzureichend angesehen. Die aktuelle Situation wirft auch in einem größeren Kontext Fragen zur psychiatrischen Versorgung auf. In Deutschland ist das System der psychiatrischen Versorgung zwar weitgehend gut ausgebaut, jedoch profitieren bestimmte Gruppen nicht ausreichend, was sich auch in der Schließung des SPZ widerspiegelt. In den letzten 20 Jahren sind die Versorgungskapazitäten kontinuierlich gewachsen, und dennoch bleibt der Fachkräftemangel ein drängendes Problem.

Es bedarf einer besseren Koordination der Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und komplexen Hilfebedarfen. Der Strukturwandel hin zu stärkerer Ambulantisierung ist dringend notwendig, um eine adäquate Versorgung sicherzustellen. Zudem müssen sozialgesetzbuchübergreifende Konzepte entwickelt werden, um den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden. Beratungsangebote für psychosoziale Bedarfe sind kommunal organisiert und werden aus Steuermitteln oder privat finanziert, was die Zugänglichkeit für viele Menschen erschwert.

In Anbetracht der Schließung des SPZ in Margareten wird deutlich, dass die Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung nicht nur lokal sind, sondern auch deutschlandweit angegangen werden müssen, um die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verbessern. Der Fachkräftemangel betrifft alle Bereiche der psychiatrischen Versorgung und erfordert ein Umdenken, um die vorhandenen Fachkräfte effizienter einzusetzen und die Versorgung nachhaltig zu gestalten.

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