Am Musiktheater an der Wien wird derzeit die Oper „L’opera seria“ von Florian Leopold Gassmann aufgeführt. Diese Aufführung hat eine besondere Note, denn sie ist die erste seit der Uraufführung im Jahr 1769, die in Wien zu sehen ist. Gassmann, der als Hofkomponist für Joseph II. tätig war und Antonio Salieri unterrichtete, schuf zusammen mit dem Librettisten Ranieri de’ Calzabigi eine humorvolle Satire auf die ernste Oper, die die Theaterwelt auf die Schippe nimmt.

In der Hauptrolle des Tenors Ritornello brilliert Josh Lovell, der seinen lyrischen und hohen Helden-tenor mit komödiantischer Sicherheit präsentiert. Er wird als Sänger beschrieben, der ein beschränktes Repertoire an Koloraturen hat, jedoch durch seine Präsenz überzeugt. Unterstützung erhält er von Andrea Carroll, die die Rolle der Smorfiosa spielt, einer Figur, die mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hat. Serena Gamberoni verkörpert die Soubrette Porporina, die es liebt, akrobatische Koloraturen zu singen. Julie Fuchs zeigt ihr Können als Stonatrilla, die hohe Sopran-Arien mit technischen Herausforderungen meistert.

Eine gelungene Inszenierung

Die Regie von Laurent Pelly wird als steigernd und humorvoll beschrieben. Musikalisch wird die Wiener Aufführung von Christophe Rousset geleitet, der auch die neue Produktion von La Scala im Jahr 2025 leiten wird, die Gassmann und Calzabigi zum Thema hat. Diese Wiederentdeckung der italienischen Wurzeln des Melodramas ist Teil einer umfassenden Programmgestaltung, die auch Werke aus Venedig und Neapel umfasst. Die Aufführung in Wien wird von einem herausragenden Ensemble junger Talente präsentiert, was die hohe Qualität der Interpretationen unterstreicht.

In einer weiteren humorvollen Wendung tritt Pietro Spagnoli als Impresario auf, der sich am Ende als Betrüger herausstellt. Auch Roberto de Candia als Dichter und Petr Nekoranec als Komponist tragen zur Komplexität der Charaktere bei. Ein besonderes Highlight sind die drei Männer, die die Mütter als komische Figuren singen und somit die Dynamik im Stück zusätzlich beleben. Alessio Arduini als Ballettmeister Passagallo zeigt mit seinem starken Bassbariton, dass auch die Ballettanteile in dieser Oper nicht zu kurz kommen.

Ein Trost in schwierigen Zeiten

Die Aufführung wird als Trost in schwierigen Zeiten beschrieben und bietet dem Publikum eine willkommene Ablenkung von der Realität. In einer Welt, die oft von Herausforderungen geprägt ist, schafft „L’opera seria“ eine Atmosphäre des Lachens und der Freude. Die Wiener Premiere zeigt eindrucksvoll, wie Gassmanns Werk, das nach den Reformen von Christoph Willibald Gluck entstand, auch heute noch relevant ist.

Die Verbindung zwischen der Wiener Aufführung und der anstehenden Inszenierung an der Scala verdeutlicht die zeitlose Anziehungskraft von Gassmanns Werk. Mit der humorvollen Betrachtung der Theaterwelt und den charakteristischen Elementen des Melodramas bleibt „L’opera seria“ nicht nur ein Stück Musikgeschichte, sondern ein lebendiger Teil der aktuellen kulturellen Landschaft. Weitere Informationen zur Oper finden Sie in der FAZ und über die bevorstehende Aufführung an der Scala.