In Liesing gibt es derzeit Diskussionen über die Errichtung von Ruhebänken am Liesingbach, insbesondere bei der Karl-Sarg-Gasse. Eine besorgte Liesingerin hat den Wunsch geäußert, dass solche Sitzgelegenheiten geschaffen werden, um den Anwohnern und Spaziergängern einen Ort der Erholung zu bieten. Die Bezirksvorstehung hat diesen Wunsch zwar begrüßt, jedoch betont, dass die Umsetzung nur möglich ist, wenn die technischen und hochwasserrechtlichen Rahmenbedingungen dies erlauben. Die zuständige MA 45 – Wiener Gewässer, die für Maßnahmen entlang des Liesingbachs verantwortlich ist, hat bereits auf die Herausforderungen hingewiesen. Im Hochwasserfall könnte der Uferbereich überflutet werden, was feste Einbauten wie Bänke gefährden würde. Zudem besteht die Gefahr von Verklausungen, die den Abfluss behindern könnten. An hochwassertechnisch geeigneten Stellen wurden bereits Sitzgelegenheiten in Form von Tisch-Bank-Kombinationen und Sitzstufen in die Böschung integriert.
Aktuell finden im „Bauteil 2“ zwischen Atzgersdorfer Platz und Gutheil-Schoder-Gasse Bauarbeiten statt, um den Bach zu verbreitern und den Hochwasserschutz zu verbessern. In diesem Zusammenhang entstehen neue Erholungsinseln und naturnahe Grünflächen, die nicht nur den Menschen zugutekommen, sondern auch den wassergebundenen Tieren, die hier einen Lebensraum finden. Der Liesingbach wird auf Höhe des Steinsees begrünt und beschattet, während Wien Kanal einen rund drei Kilometer langen Liesingtal-Sammelkanal baut, um den Bach vor Verschmutzung zu schützen. Das Renaturierungsvorhaben wird bis 2027 abgeschlossen sein und ist Teil eines umfassenden Projektes zur naturnahen Umgestaltung des Liesingbachs.
Renaturierung und Hochwasserschutz
Die Renaturierung des Liesingbachs in Wien ist ein Großprojekt, das bis 2027 abgeschlossen sein soll. Der erste renaturierte Abschnitt beim Liesinger Platz hat sich bereits zu einer Grünoase entwickelt. Die Arbeiten an der zweiten, noch nicht renaturierten Hälfte umfassen 9,2 km und werden stufenweise bis Herbst 2025 durchgeführt. Bereits in den letzten zwei Jahrzehnten wurde die Hälfte des Liesingbachs erfolgreich renaturiert, wodurch die Hochwassersicherheit erheblich verbessert werden konnte. Das Projekt „Integrativer Hochwasserschutz Liesingbach“ wurde 2020 gestartet und wird von der MA 45 und Wien Kanal durchgeführt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 85 Millionen Euro, wobei ein großer Teil von der Stadt Wien getragen wird.
Ein zentrales Ziel dieser Renaturierungsmaßnahmen ist die Verbesserung der Gewässerqualität und die Schaffung neuer Grünbereiche. Zusätzlich wird ein Regenwasserkanal unter dem Bachbett errichtet, um die Wasserqualität weiter zu steigern. Im neuen Abschnitt werden rund 200 neue Bäume und viele Sträucher gepflanzt, was nicht nur zur Verschönerung der Umgebung beiträgt, sondern auch zur Förderung der Biodiversität.
Herausforderungen urbaner Gewässerentwicklung
Die baulichen Maßnahmen zur Gewässerentwicklung in städtischen Gebieten sind oft eingeschränkt. Trotz dieser Herausforderungen ist die Verbesserung der Durchgängigkeit sowie von Sohle und Ufer in vielen Fällen umsetzbar. Renaturierungsmaßnahmen zielen darauf ab, die Durchgängigkeit für Geschiebetransport und die Flora und Fauna wiederherzustellen. Dazu gehört auch der Rückbau von Querbauwerken und die Installation von Auf- und Abstiegshilfen, um Lebewesen eine bessere Wanderung zu ermöglichen.
Hochwasserschutz und Gebäudeschutz sind bei solchen Renaturierungen von zentraler Bedeutung. Ingenieurbiologische oder offene Bauweisen können ökologische Aufwertungen der Ufer ermöglichen, wodurch gleichzeitig Hochwasserschäden verhindert werden können. Der Liesingbach, wie viele andere Flüsse in urbanen Gebieten, hat oft ein technisches Profil mit verbauter Sohle. Um naturnahe Gewässerentwicklungen zu fördern, sind strukturreiche Sohlen wichtig, die durch wasserbauliche Maßnahmen wie Naturstein-Sohlenriegel geschaffen werden können.
Wenn Sie mehr über die Fortschritte in der Renaturierung des Liesingbachs erfahren möchten, können Sie sich im Infocenter B.A.C.H.L. in der Gutheil-Schoder-Gasse 19 informieren. Das Infocenter hat ganzjährig samstags und sonntags von 12-16 Uhr geöffnet und bietet spannende Einblicke in die laufenden Projekte sowie die geplanten Maßnahmen zur weiteren Verbesserung des Liesingbachs.
Für detaillierte Informationen zu den Herausforderungen und Fortschritten in der Gewässerentwicklung können Sie auch die umfassenden Berichte des Umweltbundesamtes lesen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich Liesing in den kommenden Jahren entwickeln wird und welche neuen Möglichkeiten für Erholung und Natur entstehen.