Ein ungewöhnlicher Vorfall hat sich in Wien-Liesing ereignet, als in einer Entsorgungsfirma ein radioaktives Rohr entdeckt wurde. Dieses rund drei Meter lange Rohr mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern wurde in der Oberlaaer Straße gefunden. Auf der Oberfläche des Rohres wurde Thorium 232, ein natürlich vorkommendes Isotop, festgestellt. Die gemessene Strahlung war schwach, und laut Berichten handelte es sich um ein Pulver, das sich auf dem Rohr abgelagert hatte. Thorium 232 wird häufig zur Erzeugung nuklearer Energie verwendet und ist daher von besonderem Interesse für die Behörden. Der Vorfall führte zu einem Großeinsatz der Feuerwehr, die das Firmengelände absperrte und eine Untersuchung einleitete. Die Ermittlungen zur Herkunft des Rohres laufen, wobei der Verdacht besteht, dass es von einer Baustelle in Wien stammt.

Die Situation wurde zusätzlich durch vorsorgliche Untersuchungen von vier Personen im AKH kompliziert, die jedoch keine Kontamination aufwiesen. Messungen vor Ort ergaben geringe Strahlenwerte, wodurch die Behörden Entwarnung geben konnten: Es besteht keine Gefahr für Personen außerhalb des Firmengeländes. Das Rohr wurde zur genaueren Untersuchung ins Technologiezentrum nach Seibersdorf gebracht, wo weitere Analysen durchgeführt werden sollen.

Hintergrund zur Radioaktivität

Der Vorfall in Liesing wirft ein Licht auf die Problematik natürlicher Radioaktivität, die in vielen Gesteinen und Erzen vorkommt. Radionuklide aus den Zerfallsreihen von Uran-238, Uran-235 und Thorium-232 sind in diesen Materialien in Spuren vorhanden. Bei der Nutzung von Gesteinen und Erzen als Rohstoffe gelangen natürliche Radionuklide unbeabsichtigt in industrielle Prozesse. Diese natürlichen Radioaktivitätsquellen werden als „naturally occurring radioactive materials“ (NORM) bezeichnet und können sich in Teilstoffströmen anreichern.

In Deutschland regelt das Strahlenschutzgesetz den Schutz vor Strahlenexposition durch natürliche radioaktive Stoffe. Nach den Vorschriften dürfen Rückstände, die keine erhöhte Strahlenexposition für die Bevölkerung zur Folge haben, verwertet werden. Andernfalls müssen sie sicher deponiert werden. Die Überwachungsgrenzen für solche Rückstände sind in der Strahlenschutzverordnung festgelegt. Es ist auch dokumentiert, dass spezielle thorium- und uranhaltige Minerale mehrere Becquerel pro Gramm aufweisen können, was die Notwendigkeit einer genauen Überwachung unterstreicht. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Regelungen im Strahlenschutz finden sich in den Richtlinien des Bundesamts für Strahlenschutz.

Inmitten dieses Vorfalls plant Österreich zudem für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, was die Aufmerksamkeit von der aktuellen Situation ablenkt. Das ÖFB-Team wird während des Turniers in Santa Barbara residieren, und die Entscheidung über das Basecamp wurde bereits von der FIFA bestätigt. Solche Ereignisse verdeutlichen, wie schnell sich die Themen auf der öffentlichen Agenda ändern können. Das Leben geht weiter, auch wenn die Herausforderungen im Bereich der Sicherheit und des Umweltschutzes stets präsent bleiben.