Die Praterstraße in Wien ist auf dem besten Weg, sich von einer stark versiegelten und überhitzten Verkehrsachse in einen ökologisch nachhaltigen Boulevard zu verwandeln. Aktuell ist die Umgestaltung der Praterstraße für den Österreichischen Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA) nominiert, und zwar in der Kategorie „Hitze/Trockenheit“. Dieses Projekt gilt als Vorzeigebeispiel im Kampf gegen urbane Überhitzung und wird als Pilotprojekt für lebenswerte Stadträume angesehen. Die Nominierung wurde kürzlich bekannt gegeben und die Online-Abstimmung läuft bis Donnerstag, den 5. März. Der Abschluss der Umgestaltung ist für Herbst 2024 geplant.

Das Ziel der Umgestaltung ist klar: mehr Grün, weniger Versiegelung und eine neue Aufenthaltsqualität. Es sollen rund 100 neue Bäume gepflanzt werden, und die Installation heller Pflasterflächen, Wasserelemente und Trinkbrunnen soll dazu beitragen, die Sommerhitze zu reduzieren und das Mikroklima zu verbessern. Zu den weiteren Maßnahmen gehört die Anwendung des „Schwammstadt“-Prinzips für eine nachhaltige Bewässerung, sowie die Schaffung sicherer Radwege und barrierefreier Fußwege, die aktive Mobilität fördern.

Interdisziplinäre Planung

Die Umgestaltung der Praterstraße ist nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern ein interdisziplinärer Ansatz, der Klimatologie, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung vereint. Aufenthaltszonen, Schanigärten und parkähnliche Elemente sollen einladende öffentliche Räume schaffen. Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig hebt die Bedeutung des Staatspreises hervor, der vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in Kooperation mit dem Klima- und Energiefonds verliehen wird.

Herausforderungen der urbanen Überhitzung

Die Herausforderungen, vor denen städtische Gebiete stehen, sind enorm. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwischen 1998 und 2017 weltweit etwa 166.000 Menschen aufgrund von Hitze gestorben. Der urbane Hitzeinseleffekt führt dazu, dass Städte sich besonders stark aufheizen. Ursachen sind unter anderem versiegelte Flächen und erschwerte Luftzirkulation durch Bebauung. Daher ist die Aufgabe der Kommunen und Stadtplaner*innen, klimawandelangepasste Stadtgestaltungen zu entwickeln.

Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) unterstützt diesen Prozess mit Forschung im Bereich Klimafolgenanpassung. Es bietet Werkzeuge für die evidenzbasierte Planung von Anpassungsmaßnahmen, einschließlich Stadtklimasimulationen, die die Wirkung von Veränderungen im städtischen Umfeld vorab berechnen können. Ziel ist es, die effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung der Überhitzung auszuwählen und umzusetzen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die Umgestaltung der Praterstraße ist ein wichtiger Schritt, um nachhaltige Lösungen für urbane Hitze, Versiegelung und fehlende Aufenthaltsqualität zu finden. Das Projekt soll nicht nur die Lebensqualität der Anwohner verbessern, sondern auch als Vorbild für andere Städte dienen. Die Kombination aus innovativen Planungsansätzen und der Berücksichtigung von Umweltaspekten könnte dazu beitragen, dass Wien zu einer klimafitten Stadt wird, die den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen ist.

Für weitere Informationen über die Umgestaltung der Praterstraße und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Abstimmung für den Staatspreis, besuchen Sie bitte die Quelle sowie die Projektseite.