In der Wiener Landstraße sorgt ein Antrag der Grünen für Aufregung: Die Einführung von Tempo 30 auf der Landstraßer Hauptstraße wurde von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) abgelehnt. Der Antrag, der auf eine Geschwindigkeitsreduktion abzielt, soll mehr Ruhe, Sicherheit und weniger Emissionen für die Anwohner bringen. Doch Sima sieht in den geplanten Umgestaltungsmaßnahmen, die auch einen baulich getrennten Radweg umfassen, ausreichend Möglichkeiten zur Erhöhung der Sicherheit. Zudem würde eine Tempo-30-Regelung die Buslinie 74A beeinträchtigen, was ebenfalls ein Argument gegen den Antrag war.
Die Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße zwischen der Schlachthausgasse und der Invalidenstraße ist bereits in Planung, allerdings ist der genaue Zeitpunkt des Baustarts noch unbekannt. Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Siegrid Widhalm (Grüne) kritisierte die Ablehnung und forderte, die Wünsche der Anwohner und Kaufleute ernst zu nehmen. Sie weist darauf hin, dass laut einer Umfrage aus 2023 rund 80 Prozent der Befragten eine Neugestaltung zwischen Wien Mitte und Galeria wünschen. Stattdessen wird jedoch nur der Abschnitt zwischen Schlachthausgasse und Juchgasse umgestaltet, was möglicherweise nicht den Erwartungen der Bürger entspricht.
Vorzüge von Tempo 30
Die Diskussion über Tempo 30 wird nicht nur in Wien geführt. Eine Analyse der Auswirkungen von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen in Berlin zeigt, dass in rund 80 Prozent der untersuchten Fälle die mittleren Geschwindigkeiten signifikant sanken. Diese Geschwindigkeitsreduktion trat sogar ohne bauliche Begleitmaßnahmen oder Radarkontrollen auf. Die Evaluierung, die im Bericht zur Evaluierung dokumentiert ist, zeigt, dass Tempo 30 nicht nur den Verkehrsfluss verbessert, sondern auch das subjektive Empfinden der Anwohner positiv beeinflusst.
Das Umweltbundesamt hat zudem eine umfassende Untersuchung zu den Auswirkungen von Tempo 30 in Auftrag gegeben. Hierbei werden Aspekte wie der Verkehrsfluss und das subjektive Empfinden der Anwohner näher beleuchtet. Diese Erkenntnisse könnten auch für Wien von Bedeutung sein, wenn es um die Diskussion um Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrssicherheit geht.
Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung
Am 5. Juli 2024 wurden weitreichende Änderungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO) verabschiedet, die den Kommunen mehr Spielräume bei Anordnungen im Straßenverkehr geben. Diese Änderungen berücksichtigen Klima- und Umweltschutz, Gesundheit und städtebauliche Entwicklungen. Damit können Städte einfacher Tempo 30 anordnen, insbesondere in der Nähe von Schulen, Fußgängerüberwegen und hochfrequentierten Zonen. Die Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ hat sich für diese neuen Möglichkeiten stark gemacht, und auch Vorschläge des Umweltbundesamts aus den Jahren 2017 und 2021 fanden Eingang in die Novelle.
Die Diskussion über die Einführung von Tempo 30 wird auch in Zukunft relevant sein, insbesondere in Anbetracht der neuen Regelungen, die es den Städten erleichtern, solche Maßnahmen umzusetzen. In Wien könnte die Ablehnung des Antrags auf Tempo 30 auf der Landstraßer Hauptstraße daher möglicherweise nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gewesen sein.
Für weitere Informationen zu den Hintergründen der Ablehnung und den geplanten Umgestaltungen können Sie die vollständige Quelle [hier](einsehen). In Bezug auf die Auswirkungen von Tempo 30 auf den Verkehr in Berlin sind die Erkenntnisse in dem Bericht zur Evaluierung [hier](nachzulesen), während die Änderungen in der Straßenverkehrsordnung ausführlich [hier](dokumentiert) sind.