Am Piaristengymnasium in der Wiener Josefstadt fand kürzlich ein aufschlussreiches Seminar statt, das von Patrick Kainz, einem erfahrenen Rechtsanwalt, geleitet wurde. In der alten Bibliothek des Gymnasiums versammelten sich Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 und 14 Jahren, viele von ihnen aus Anwaltfamilien. Diese Initiative der Rechtsanwaltskammer (RAK) Wien in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion der Stadt hat das Ziel, das Bewusstsein der Jugendlichen für strafrechtliche Konsequenzen ab dem 14. Lebensjahr zu schärfen. Seit 2022 haben Anwälte beeindruckende 446 Schulen besucht und dabei etwa 51.000 Kinder und Jugendliche erreicht.
Das Seminar befasste sich mit verschiedenen rechtlichen Begriffen und Straftatbeständen, die auch in sozialen Medien von Bedeutung sind. Kainz vermittelte den Schülern, wie Gesetze entstehen und welche Auswirkungen diese auf ihr Leben haben können. Ein besonders eindrückliches Beispiel brachte ein Schüler, der den Fall des Sängers Gil Ofarim anführte, um üble Nachrede zu thematisieren. Kainz erklärte, dass in Österreich Ersatzfreiheitsstrafen existieren und körperliche Strafen verboten sind. Zudem informierte er die Jugendlichen über die Überbelegung in Jugendgefängnissen und betonte die Wichtigkeit, das Strafrecht ernst zu nehmen.
Rechtliche Konsequenzen und Verantwortung
Ein zentraler Aspekt des Seminars war die Thematisierung von Tötungsdelikten und Vorsatz. Hierbei kam ein Gummimesser als Requisite zum Einsatz, was die Schüler sichtlich fesselte. Kainz ermutigte die Jugendlichen, im Falle einer Bedrohung mit einem Messer zu fliehen und sich Hilfe zu suchen, falls sie Opfer von Gewalt werden. Am Ende des Seminars zeigten einige Kinder sogar Interesse an dem Gummimesser, was zeigt, wie stark das Thema sie berührt hat.
Ein weiteres wichtiges Thema, das im Kontext des Seminars angesprochen wurde, sind die rechtlichen Konsequenzen, die mit der Verbreitung von Hass und Gewalt gegen bestimmte Gruppen verbunden sind. Laut der österreichischen Gesetzgebung können Personen, die schriftliches Material, Bilder oder Darstellungen verbreiten, die solche Gewalt befürworten oder fördern, mit Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr oder Geldstrafen von bis zu 720 Tagessätzen bestraft werden. Dies gilt allerdings nur, wenn sie nicht bereits für eine schwerwiegendere Handlung bestraft werden. Die Prävention von solchen Straftaten ist essenziell, um ein respektvolles Miteinander zu fördern und Gewalt in der Gesellschaft zu reduzieren (Quelle).
Prävention als Schlüssel
Die Bedeutung von Prävention wird auch durch die Arbeit des Bundesjugendministeriums unterstrichen, das Strategien zur Vermeidung von Kinder- und Jugendkriminalität entwickelt. Diese Institution regt Fachdiskussionen an und setzt thematische Schwerpunkte, um die Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendhilfe, Schule, Polizei und Justiz zu stärken. Studien zeigen, dass die Mehrheit der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen nur einmal polizeilich oder strafrechtlich in Erscheinung tritt. Lediglich 5-10% begehen mehrere, teils schwerwiegende Straftaten, wobei diese häufig von einer kleinen Gruppe, den sogenannten „Intensivtätern“, verübt werden, die oft aus komplexen Problemlagen resultieren. Die Kriminalitäts- und Gewaltprävention hat sich in den letzten 20 Jahren qualitativ und quantitativ weiterentwickelt, was die Relevanz solcher Seminare wie das von Kainz am Piaristengymnasium eindrucksvoll unterstreicht (Quelle).