In der Josefstadt ist die Situation rund um den einzigen städtischen Kindergarten angespannt. Das Gebäude in der Josefstädter Straße 93–97 ist nicht vollständig nutzbar, da ein gesamtes Stockwerk leer steht. Diese Baufälligkeit wird von Julia Gremsl, der Klubobfrau der Neos in der Josefstadt, als Ergebnis jahrelanger Untätigkeit der Bezirksvorstehung kritisiert. Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen übersteigt mittlerweile deutlich das Angebot in der Umgebung. Dies wird durch eine Warteliste belegt, die auf einen dringenden Bedarf für eine Vergrößerung des Kindergartens hinweist.
Oberhalb des Kindergartens befand sich früher ein Hort, der im Juli 2023 geschlossen wurde, wodurch die oberen Stockwerke nun ebenfalls leer stehen. Bezirksvorsteher Martin Fabisch von den Grünen setzt sich aktiv für eine Erweiterung des Kindergartens und die Nutzung dieser leerstehenden Stockwerke ein. Für diese Initiative hat er sich bereits bei Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) und ihrem Vorgänger Christoph Wiederkehr stark gemacht.
Investitionen und Sanierungsbedarf
Die Erweiterung des Kindergartens ist allerdings nicht ohne Herausforderungen. Fabisch erklärt, dass diese Modernisierungen und Investitionen in den Brandschutz erfordern würden. Die grobe Kostenschätzung für die notwendigen Arbeiten beläuft sich auf mindestens 16 Millionen Euro, was sich aufgrund gestiegener Baupreise seit einer Schätzung aus dem Jahr 2021 erhöht hat. Zum Vergleich: Das jährliche Budget des Bezirks beträgt etwa 3,5 Millionen Euro, was die Finanzierung eines solchen Projekts zu einer enormen Herausforderung macht.
Die Grünen in der Josefstadt fordern ebenfalls eine Erweiterung des einzigen öffentlichen Kindergartens im Bezirk, da die leerstehenden Stockwerke seit über zwei Jahren ungenutzt bleiben. Die MA 10 (Kindergärten) hat jedoch darauf hingewiesen, dass diese Räumlichkeiten keiner Hortbewilligung mehr entsprechen, was eine Umwidmung notwendig macht. Dazu bedarf es einer Einigung zwischen dem Bezirk und der Stadt Wien, die bisher jedoch unklar bleibt.
Politische Positionen und Ausblick
Bezirksvorsteher Fabisch und seine Kollegin Lena Köhler bitten um Unterstützung von der Stadt Wien für die Sanierung. Köhler betont, dass eine Erweiterung für den Bezirk essenziell sei, jedoch das Bezirksbudget übersteigen würde. Die Neos kritisieren zudem die Investitionen in andere Projekte, wie die Umgestaltung des Matthias-Hauer-Platzes, und fordern eine Fokussierung auf die Instandhaltung der Kindergärten, die laut Paragraf 103 Absatz 1 der Wiener Stadtverfassung in die Verantwortung der Bezirke fällt.
In Anbetracht der aktuellen Lage bleibt abzuwarten, ob Bezirk und Stadt Wien eine Einigung erzielen werden, um die dringend benötigten Kindergartenplätze zu schaffen. Die Situation verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen viele städtische Einrichtungen stehen, und die Notwendigkeit für nachhaltige Investitionen in die Zukunft der Kinderbetreuung.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Josefstadt und der Situation des Kindergartens, siehe auch hier und hier.