In Wien haben sich Vertreter von Buddhismus, Christentum und Islam zusammengefunden, um eine interreligiöse Verpflichtung für Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu unterzeichnen. Das Projekt trägt den Namen „Religions4Ecology“ und hat sich zum Ziel gesetzt, ökologische Werte in die Lehrerausbildung zu integrieren. Diese gemeinsame Erklärung, die den Titel „Climate Justice and Sustainability: An Interreligious Commitment“ trägt, wird von Experten aus Deutschland, Spanien, Malaysia und Albanien unterstützt, die die gemeinsame Basis ihrer Religionen für den Schutz des Planeten betonen. KPH-Rektorin Ulrike Greiner hebt hervor, dass die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit aus dem Glauben heraus entsteht, und legt den Fokus auf konkrete Lehrinhalte, wie etwa „Klimagerechtigkeit am Beispiel Wasser“. Materialien sollen künftig in der Ausbildung von Religionslehrkräften und Pädagogen verankert werden.
Das Treffen fand in einer Phase statt, in der das Interesse an buddhistischer Philosophie im Westen stark wächst. Die buddhistische Lehre betont die Interdependenz aller Phänomene sowie das Ideal des universellen Mitgefühls, und diese ethischen Grundlagen sind in allen großen buddhistischen Schulen verankert. Achtsamkeitsmeditation hat sich als Methode zur Stressbewältigung und zur Förderung der psychischen Gesundheit verbreitet. Der Dalai Lama bleibt eine zentrale Figur im globalen Dialog über diese Themen. Die Wiener Erklärung ist Teil eines Trends, bei dem religiöse Gemeinschaften Verantwortung für weltliche Probleme übernehmen, was auch in der aktuellen Diskussion über den Klimawandel und seine Folgen als globale Mega-Krise reflektiert wird.
Ökologische Transformationen und Religionsbewusstsein
Die Dringlichkeit ökologischer Transformationsprozesse wird zunehmend betont, wobei die Umweltbewusstseinsforschung zeigt, dass solche Transformationen soziale Veränderungen erfordern. Ziel ist es, Veränderungen in Einstellungen und Verhalten zu erreichen. Der Ausgangspunkt liegt in der Verknüpfung von Religion als sozialem System und deren Interaktion mit ökologischen Kontextsystemen. Die religiöse Zugehörigkeit spielt eine entscheidende Rolle, da sie Mentalitäten beeinflusst und das Umweltbewusstsein formt. Dabei sind die Auswirkungen von Religionen auf Frieden und Umweltbewusstsein ambivalent, denn die Geschichte hat gezeigt, dass Religionen nicht automatisch Frieden oder Umweltbewusstsein fördern.
Weltreligionen, insbesondere die abrahamitischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam, besitzen jedoch das Potenzial zur Erhaltung der Schöpfung. Ebenso betonen fernöstliche Religionen wie der Buddhismus und Hinduismus eine naturbasierte Spiritualität in ihren heiligen Texten, was die interreligiöse Zusammenarbeit in ökologischen Fragen besonders wichtig macht.
Interreligiöse Synergien für den Naturschutz
Ein zentrales Ziel der interreligiösen Vernetzung ist die Förderung umweltethischer Projekte. Durch gezielte Kooperationen sollen Synergien für den Naturschutz geschaffen werden, da der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen eine vorrangige Aufgabe der Weltbevölkerung darstellt. Viele Religionsgemeinschaften engagieren sich bereits in ökologischen Projekten, und der Fokus liegt auf dem Potenzial interreligiöser Netzwerke für umweltethische Initiativen.
Die enge Vernetzung mit dem interreligiösen Netzwerk Greenfaith und die Zusammenarbeit mit Religions for Peace Deutschland zielen darauf ab, Projekte zu initiieren, die den interreligiösen Dialog stärken und das Bewusstsein für Umweltverantwortung fördern. Dabei wird eine Verbindung von interreligiöser und umweltethischer Bildung angestrebt. Religionen fungieren als transnationale zivilgesellschaftliche Institutionen und bieten Potenzial zur ökologischen Bewusstseinsbildung, indem sie Schöpfungstheologien und spirituelle Haltungen zur Natur in den Vordergrund rücken.
Insgesamt zeigt sich, dass sich das Beziehungsgefüge zwischen Mensch und Natur bildungstheoretisch umsetzen lässt. Eindeutige Beziehungsbegriffe, die die Verbundenheit zwischen Gott-Mensch, Mensch-Mensch und Mensch-Natur betonen, sind grundlegend für die Schaffung eines nachhaltigen Bewusstseins, das auch zukünftige Generationen in die Verantwortung nimmt.