Im Herzen Wiens, genauer gesagt in der Inneren Stadt, findet derzeit ein spektakulärer Prozess gegen einen 57-jährigen Montenegriner statt. Der Angeklagte, der beschuldigt wird, Aufpasserdienste bei einer brutalen Entführung geleistet zu haben, steht vor dem Landesgericht für Strafsachen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm: Alle Personen im Gerichtssaal werden durchleuchtet, und Spürhunde durchkämmen den Saal auf der Suche nach explosivem Material. Diese Maßnahmen erinnern an die hohen Sicherheitsstandards, die auch beim Prozess gegen den Drogenbaron „Dexter“ getroffen wurden, wie in einem Artikel des Kurier zu lesen ist.
Der Fall selbst ist ebenso dramatisch wie die Sicherheitsvorkehrungen. Am 14. März 2020 wurde ein 41-jähriger Kroate von Mitgliedern des Kavač-Clans nach Wien gelockt. Unter dem Vorwand eines lukrativen Geschäfts wurde er in einer Airbnb-Wohnung gefesselt und gefoltert. Die Täter, ausgerüstet mit Handsägen und Pistolen, hatten die Wohnung mit schwarzer Nylonfolie ausgekleidet, um ihre Gräueltaten zu verbergen. Ein Staatsanwalt berichtete von belastenden Beweisfotos der gefesselten Opfer. Die Täter kommunizierten über abhörsichere Handys, was die Komplexität und Professionalität der kriminellen Machenschaften deutlich macht. Letztlich konnten die Opfer das Appartement lebend verlassen, nachdem sie 750.000 Euro in Aussicht stellten, wobei eine Übergabe von 100.000 Euro in Zagreb erfolgen sollte.
Die Rolle des Angeklagten
Die Ermittlungen haben ergeben, dass insgesamt sieben Personen an der Entführung beteiligt waren, von denen zwei bereits verurteilt wurden. Die Staatsanwaltschaft sieht den Angeklagten als Beitragstäter, der für den Kavač-Clan Aufpasserdienste leistete. Laut einem weiteren Bericht von Die Presse bezeichnete der Staatsanwalt den Angeklagten als „Intensivtäter“ und „absoluten Profi“. Die Beweislage ist erdrückend: Chats, die mit Krypto-Handys erstellt wurden, sowie ein Foto des Angeklagten mit anderen Beteiligten wurden von der Polizei sichergestellt.
Der Angeklagte selbst bestreitet die Vorwürfe und spricht von „Identitätsdiebstahl“. Interessanterweise hat die belgische Justiz im Herbst 2022 einem Auslieferungsersuchen Österreichs stattgegeben, wobei der Angeklagte 2023 in Belgien bereits zu 40 Monaten Haft verurteilt wurde. In der Vergangenheit hatte er bereits zwei Haftstrafen in Frankreich verbüßt.
Der größere Kontext
Dieser Fall ist nicht isoliert, sondern reiht sich ein in die aktuellen Entwicklungen im Bereich der organisierten Kriminalität in Europa. Der italienische Antimafia-Kriminalamt Direzione Investigativa Antimafia (DIA) hat jüngst einen Bericht für das Jahr 2024 veröffentlicht, der die Aktivitäten von Mafia-Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert. Österreich wird dabei als strategischer Knotenpunkt für den Handel mit Heroin und Cannabis aus Asien beschrieben, der von Organisationen aus dem ehemaligen Jugoslawien kontrolliert wird. Die DIA hat eine enge Zusammenarbeit mit den deutschen Ermittlungsbehörden aufgebaut, um kriminellen Machenschaften auf den Grund zu gehen. Diese Informationen stammen aus dem Bericht, der auf Mafia Nein Danke veröffentlicht wurde.
Insgesamt zeigt dieser Prozess eindrucksvoll, wie komplex und gefährlich die Strukturen der organisierten Kriminalität sind. Die kommenden Verhandlungstage werden sicherlich weitere spannende Einblicke in die Machenschaften des Kavač-Clans und die Rolle des Angeklagten bieten.