In der Innere Stadt wird eine besondere Veranstaltung stattfinden, die sowohl Liebhaber der Literatur als auch der Musik ansprechen wird. Die musikalische Lesung „Brecht light“ verspricht eine humorvolle und tiefgründige Auseinandersetzung mit den Texten des großen Dramatikers Bertolt Brecht. Johannes Terne, der 1951 in der DDR geboren wurde und seit 1990 in Österreich arbeitet, wird zusammen mit dem Schauspieler René Rumpold und dem Pianisten Markus Vorzellner auf der Bühne stehen. Die Lesung umfasst sowohl bekannte als auch unbekannte Texte von Brecht, deren Humor oft als „schwarz“, ironisch und satirisch beschrieben wird. Ziel ist es, das Publikum zu provozieren und Autoritäten zu entlarven. Ein bekanntes Zitat von Brecht, „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, verdeutlicht sein Anliegen, gesellschaftliche Werte zu hinterfragen.

Die Veranstaltung zeigt nicht nur Brechts Werk, sondern auch, dass seine Zeitgenossen ebenso humoristisch waren. Brecht arbeitete intensiv mit Komponisten zusammen, um seinen Texten zusätzlichen Wert zu verleihen. Zu den bedeutendsten Komponisten, mit denen er zusammenarbeitete, zählen Kurt Weill, Hanns Eisler und Paul Dessau. Diese Zusammenarbeit führte zu Meisterwerken wie „Die Dreigroschenoper“, die 1928 uraufgeführt wurde und zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik avancierte. Die Kombination aus Brechts scharfsinnigem Humor und Weills eingängiger Musik hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Die Dreigroschenoper und ihr Erbe

Die „Dreigroschenoper“ ist ein Theaterstück mit Musik, das auf der literarischen Vorlage „The Beggar’s Opera“ basiert, welche von John Gay und Johann Christoph Pepusch stammt. Die Uraufführung fand am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin statt und thematisiert den Konkurrenzkampf zwischen Jonathan Peachum, dem Kopf der Londoner Bettelmafia, und dem Verbrecher Macheath, der gute Beziehungen zum Polizeichef hat. Brecht entwickelte mit dieser Oper eine neue Form des Musiktheaters, die zur kritischen Reflexion anregt. Über 4000 Aufführungen in 200 Inszenierungen bis zur Saison 1928/29 sprechen für den nachhaltigen Erfolg des Werkes.

Die Musik, komponiert von Kurt Weill, vereint Stilelemente von Jazz, Tango, Blues und Jahrmarktsmusik. Die Struktur des Stückes umfasst ein Vorspiel und acht Bilder sowie 22 abgeschlossene Gesangsnummern. Brechts Ziel war es, nicht nur zu unterhalten, sondern auch gesellschaftliche und politische Themen aufzugreifen und das Publikum zum Nachdenken zu animieren. Diese Tradition des politischen Theaters hat in Deutschland eine lange Geschichte, die sich von anderen Nationen unterscheidet. Politische Themen wurden oft im Theater und durch Philosophen diskutiert, nicht auf der Straße.

Der Einfluss von Brecht auf das politische Theater

Bertolt Brecht, der als bedeutendster Dramatiker des politischen Theaters in Deutschland gilt, hat mit seinem Konzept des „Epischen Theaters“ und dem „Eingreifenden Denken“ neue Maßstäbe gesetzt. Er strebte danach, die Passivität des Publikums zu durchbrechen und kritisierte die Institutionen der Kunst. Brechts Werke sind nicht nur künstlerische Schöpfungen, sondern auch sozialpolitische Kommentare, die spezifische Themen ansprechen und historische Ereignisse nutzen, um eine politische Haltung zu erzeugen.

Der Einfluss von Brecht ist auch in den Arbeiten von Nachfolgern wie Heiner Müller zu spüren, der Brechts Ideen weiterentwickelte und kritisch hinterfragte. Die Rezeption von Brechts Werk in Ost- und Westdeutschland war von unterschiedlichen politischen Kontexten geprägt, was die Relevanz seiner und Müllers Theatertradition unterstreicht. Sie bleibt ein wichtiges Mittel, um historische und ideologische Verhältnisse zu hinterfragen.

Für weitere Informationen und Platzreservierungen zur Veranstaltung „Brecht light“ können Interessierte die Webseite www.rotersalon.at besuchen.