Am Freitag fand am Wiener Landesgericht eine Haftverhandlung statt, die wegen ihrer Dramatik und Tragik in den letzten Tagen für große Aufregung in der Öffentlichkeit sorgte. Im Mittelpunkt steht ein 14-jähriges Mädchen, das unter dringendem Mordverdacht steht. Die vorläufige Einschätzung einer Kinder- und Jugendpsychiaterin stuft die Jugendliche als „hochgradig gestört“ ein. Diese Einschätzung wirft Fragen auf, die weit über den Einzelfall hinausgehen und sich mit den Themen Jugendpsychiatrie und Forensik beschäftigen.
Das Mädchen, das aufgrund ihrer psychischen Verfassung in Untersuchungshaft bleibt, gestand während der Verhandlung, dass sie Therapie benötigt und wirkte dabei apathisch sowie emotionslos. Die Tat, die sich am 23. Februar 2026 ereignete, führte zum Tod einer 64-jährigen Friedhofsbesucherin, die mit einem Taschenmesser getötet wurde. Bei der Tat äußerte die Verdächtige einen inneren Drang, „jemanden zu töten“. Es wird vermutet, dass eine psychische Störung und hohe Gefährlichkeit vorliegen, doch ein endgültiges Gerichtsgutachten über ihre Zurechnungsfähigkeit steht noch aus.
Hintergrund und weitere Entwicklungen
Das Mädchen stammt aus zerrütteten Verhältnissen und berichtet, dass sie sich seit ihrem zehnten Lebensjahr von dunklen Gedanken verfolgt fühlt. Ihre Anwältin, Astrid Wagner, vertritt sie in dem Verfahren, und es wird angestrebt, das Mädchen in ein forensisch-therapeutisches Zentrum zu verlegen. Mögliche Standorte für die Verlegung sind Wien-Hietzing, Mauer (NÖ) oder Asten (OÖ). Bereits zuvor wurde die Jugendliche in der Jugendpsychiatrie in Wien-Hietzing untersucht.
Besonders besorgniserregend sind die Inhalte, die auf dem Handy der Verdächtigen gefunden wurden. Ermittler sicherten ein Bild, das die Verdächtige nach der Tat auf Social Media geteilt haben soll, und verstörende Selfies, die auf ihre Besessenheit für abscheuliche Verbrechen hindeuten. Insbesondere interessierte sie sich für die Kindesmörderin Alyssa Dailene Bustamante aus Missouri, was die Ermittler zusätzlich alarmiert.
Therapeutische Ansätze
In der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie, die von einem multiprofessionellen Team geleitet wird, wird die Behandlung von psychisch kranken Jugendlichen ernst genommen. Unter der Leitung von Dr. med. Christian Rexroth und Prof. Dr. med. Martin Maurer arbeiten zahlreiche Fachärzte und Psychologen zusammen, um den Patient:innen in einem geschützten Umfeld zu helfen. Die Therapieansätze sind vielfältig und umfassen unter anderem ergotherapeutische Maßnahmen, sozialpädagogische Beratung sowie psychotherapeutische Einzelgespräche. Das Ziel besteht darin, ein lern- und veränderungsförderndes therapeutisches Milieu zu schaffen, in dem individuelle Therapiepläne erstellt werden, die auf den Fortschritt der Patient:innen abgestimmt sind.
Die forensische Klinik bietet zudem ein Bezugspflegesystem, deliktorientierte Gruppentherapien und spezielle Trainings zur Verbesserung sozialer und lebenspraktischer Kompetenzen an. Durch diese umfassenden Maßnahmen soll den Jugendlichen nicht nur geholfen, sondern auch eine Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht werden.
Die Tragödie um das 14-jährige Mädchen spricht nicht nur die Justiz, sondern auch die Gesellschaft an. Fragen nach der Verantwortung, der Zurechnungsfähigkeit und den Möglichkeiten der Rehabilitation stehen im Raum. Die Öffentlichkeit und die Fachwelt sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen in diesem erschütternden Fall.
Für detaillierte Informationen zu den Behandlungsansätzen in der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie kann auf die Ärztliche Akademie verwiesen werden. Weitere Einblicke in die forensische Therapie psychisch erkrankter Patient:innen bietet das Zentrum für Forensische Therapie.






