Der Tiergarten Schönbrunn in Wien, der älteste Zoo der Welt, begeistert seit über 270 Jahren seine Besucher. In diesem historischen Kontext hat Christina Gschwendtner kürzlich das Buch „111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn, die man kennen muss“ veröffentlicht. Das Werk, das im Emos Verlag erschienen ist und 240 Seiten umfasst, kostet 19,50 € und bietet einen tiefen Einblick in die faszinierende Welt des Zoos. Daniel Zupanc, ein mehrfach ausgezeichneter Fotograf, hat das Buch mit eindrucksvollen Bildern bereichert, die die Vielfalt der Tierwelt dokumentieren.
Gschwendtner hebt in ihrem Buch die gelungene Verbindung von historischem Erbe und moderner Tierhaltung hervor. Der Zoo engagiert sich aktiv für den Artenschutz und fördert Teamarbeit unter den Mitarbeitern. So wird in Geschichte 78 des Buches das ehrgeizige Projekt zur Wiederansiedlung der Waldrappe in Mitteleuropa bis 2028 beschrieben, das in Zusammenarbeit mit neun europäischen Instituten durchgeführt wird. Dabei werden Küken gezüchtet, von Hand aufgezogen und mit Ultraleichtflugzeugen nach Andalusien begleitet.
Artenschutz im Fokus
Zoo-Direktor Stephan Hering-Hagenbeck betont die wissenschaftliche Arbeit des Zoos, die unter anderem die stressfreie Geschlechtsbestimmung von Krokodiltejus umfasst. Seit 2014 deckt der Tiergarten Schönbrunn alle laufenden betrieblichen Ausgaben aus selbst erwirtschafteten Mitteln, mit Ausnahme der Coronajahre 2020 und 2021. Daniel Zupanc dokumentiert besondere Momente im Zoo, um das Bewusstsein für den Schutz der Tierwelt zu stärken.
Das Buch hebt verschiedene Tiere wie Amurleoparden, Pandas und Chamäleons hervor, die als Fotomotive dienen. Gschwendtner gibt zudem einen Ausblick auf die Zukunft des Zoos, in der Expertenwissen, technische Möglichkeiten und Digitalisierung eine bedeutende Rolle spielen werden. Das Grundprinzip bleibt dabei unverändert: Menschen durch tierische Botschafter für die Natur zu begeistern, um den Artenschutz zu fördern.
Neues Artenschutzhaus eröffnet
<pEine weitere spannende Entwicklung im Tiergarten Schönbrunn ist die Eröffnung des neuen Artenschutzhauses, das im ehemaligen „Haus der Schrecken“ realisiert wurde. Dieses Projekt zielt darauf ab, den illegalen Wildtierhandel zu bekämpfen, der eines der lukrativsten globalen Verbrechen darstellt, gleichauf mit Drogen-, Menschen- und Waffenhandel. Wildtiere werden für unterschiedlichste Zwecke gehandelt, von Medizin bis hin zu Modeartikeln und Heimtierhaltung, was nicht nur bedrohte Tierarten gefährdet, sondern auch die Biodiversität insgesamt beeinträchtigt.
Das Artenschutzhaus verbindet Artenschutzarbeit mit Öffentlichkeitsarbeit, um über die gravierenden Auswirkungen des illegalen Wildtierhandels zu informieren. Unterstützt durch den WWF, enthält die Ausstellung unter anderem eine Vitrine mit beschlagnahmten Tierprodukten, wie Schlangenwein und getrockneten Seepferdchen. Interaktive Elemente, wie eine Scannerstation, ermöglichen es den Besuchern, selbst „geschmuggelte“ Tiere zu identifizieren und sensibilisieren so für die Thematik.
Innovative Ansätze zur Artenerhaltung
Im Artenschutzhaus sind 16 Terrarien mit nachgezüchteten Tierarten aus Beschlagnahmungen untergebracht, darunter die Dreikiel-Scharnierschildkröte, der Sandgecko und der Krokodilschwanzteju. Bemerkenswert ist, dass der Tiergarten Schönbrunn 2023 als erster Zoo der Welt erfolgreich die Nachzucht von Krokodilschwanztejus durchführte. Ziel dieser Bemühungen ist der Aufbau gesunder Reservepopulationen durch gezielte Nachzucht außerhalb des natürlichen Lebensraums.
Ein eindrückliches Beispiel für den illegalen Wildtierhandel sind die über 70 Chamäleons, die 2021 aus Tansania beschlagnahmt wurden. Diese Tiere wurden in Socken oder Eisboxen nach Wien geschmuggelt, mit einem Schwarzmarktwert von etwa 37.000 Euro. Die Pflege und Nachzucht dieser Chamäleon-Arten erfolgt im Artenschutzhaus durch speziell ausgebildete Tierpflegerinnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tiergarten Schönbrunn nicht nur als historisches Erbe, sondern auch als moderne Institution für Artenschutz und Bildung fungiert. Durch die Kombination von Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und innovativen Ansätzen zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels setzt der Zoo ein starkes Zeichen für den Erhalt der biologischen Vielfalt.