Am 16. März wird die Kirche St. Hemma in Wien zum Schauplatz eines spannenden Vortrags des renommierten Bibelwissenschaftlers Markus Tiwald. Unter dem Titel „Die letzten Tage Jesu – eine historisch-kritische Spurensuche nach dem heutigen Stand der Forschung“ nimmt Tiwald die Zuhörer mit auf eine spannende Reise in die Historie, die sich um die letzten Tage des Jesus von Nazaret rankt. Diese Veranstaltung ist Teil der Bemühungen, das Verständnis für die historischen Kontexte und die Bedeutung Jesu zu vertiefen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind jedoch willkommen, um solche Veranstaltungen auch in Zukunft zu ermöglichen.

Besonders interessant wird es, wenn Tiwald zentrale Fragen behandelt, die sich um die letzten Stunden Jesu drehen: Warum musste Jesus sterben? Hat er seinen Tod bewusst gesucht? Wusste er von seinem bevorstehenden Ende? Und was geschah beim Letzten Abendmahl? Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum seines Vortrags, der durch Bilder und Fotos aus Jerusalem visuell untermalt wird. Jesus starb bekanntlich am 7. April 30 n. Chr. am Felsen Golgotha in Jerusalem, ein Ereignis, das bis heute tief in die christliche Tradition eingewoben ist.

Die historische Jesusforschung

Die historische oder historisch-kritische Jesusforschung, die Tiwalds Vortrag zugrunde liegt, hat ihre Wurzeln im Zeitalter der Aufklärung. Sie entstand um 1740 und nutzt verschiedene Disziplinen wie Theologie, Archäologie und Geschichtswissenschaft, um das öffentliche Wirken Jesu zu rekonstruieren. Diese Kritische Auseinandersetzung mit den Evangelien war lange überfällig, da bis zur Frühen Neuzeit die Bibel als Heilige Schrift galt, die nicht kritisch hinterfragt wurde. Die Erfindung des Buchdrucks und die Reformation trugen maßgeblich dazu bei, dass die Bibel als sich selbst auslegende Instanz (sola scriptura) betrachtet wurde und eine kritische Auseinandersetzung mit den Texten begann.

Ein wichtiger Wendepunkt in der Jesusforschung war die Arbeit von David Friedrich Strauß, dessen Werk „Das Leben Jesu“ (1835/36) eine neue Auslegung der Wundergeschichten präsentierte. Strauß kritisierte die rationalistische Wunderdeutung und stellte fest, dass die Wundergeschichten tief in den Ideen der menschlichen Vernunft verwurzelt sind. Diese Entwicklung führte dazu, dass die frühe Jesusforschung in drei Phasen unterteilt wird: die erste Phase, geprägt von liberaler Theologie, die zweite Phase um die Bultmannschule und die dritte Phase, die von einem Methodenpluralismus gekennzeichnet ist.

Die Bedeutung des historischen Jesus

Im Kontext von Tiwalds Vortrag ist es wichtig zu beachten, dass die Frage nach dem „historischen Jesus“ eine Differenz zwischen dem historischen Bild Jesu und dem Jesus der Evangelien sowie der christlichen Dogmatik beinhaltet. Hermann Samuel Reimarus, der als Begründer der Leben-Jesu-Forschung gilt, unterschied zwischen der Lehre Jesu und der der Apostel und sah Jesus als Morallehrer. Die liberale Forschung des 19. Jahrhunderts versuchte, den Glauben an Jesus durch historische Forschung zu untermauern und objektive Quellen zu finden.

Die jüngste Entwicklung in der Jesusforschung, die als „third quest“ bezeichnet wird, fokussiert auf den „erinnerten Jesus“, wobei die Evangelien als Geschichtserzählungen ernst genommen werden. Diese Herangehensweise versucht, die Erzählungen methodisch zu bewerten, ohne sich ausschließlich auf die überlieferungsgeschichtliche Methode zu stützen. Die Jesusforschung bleibt somit ein dynamisches und umstrittenes Forschungsfeld, das auch weiterhin Fragen aufwirft und neue Perspektiven eröffnet.

Wer sich für die tiefgründigen Fragen rund um das Leben und Sterben Jesu interessiert, sollte sich den Vortrag von Markus Tiwald in der Kirche St. Hemma nicht entgehen lassen. Er ist leicht mit den Autobuslinien 56A und 56B ab der U4-Haltestelle Hietzing zu erreichen. Eine spannende Auseinandersetzung mit der Thematik ist garantiert.

Für weitere Informationen zu diesem Thema und zur Jesusforschung im Allgemeinen, können Sie die umfassenden Informationen auf MeinBezirk, Wikipedia und Bibelstudium nachlesen.