Nach dem schrecklichen Amoklauf am Dienstag am BORG Dreierschützengasse in Graz, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen, hat sich ein Feuerwerk an Falschinformationen und Gerüchten im Internet entzündet. Der Täter, Arthur A., nahm sich nach der Tat das Leben, doch anstelle einer sachlichen Berichterstattung mischen sich zahlreiche Fake News unter die evakuierenden Informationen.
Besonders heftig betroffen ist ein unschuldiger 22-jähriger Mann aus Leibnitz, der fälschlicherweise als Täter identifiziert wurde. André Wolf von „Mimikama“ beschreibt die Situation als ein Beispiel für einen „Internet-Mob“: Über soziale Medien wurde der junge Mann attackiert, nur weil er denselben Vornamen und die gleichen Anfangsbuchstaben im Nachnamen wie der tatsächliche Täter hat. Diese ungerechtfertigten Anfeindungen belasten den Betroffenen und seine Familie enorm, wie er in zwei veröffentlichten Videos verdeutlicht, in denen er zu seriöser Informationsbeschaffung aufruft.
Falsche Videos und Bilder
Zusätzlich kursieren in den sozialen Medien Videos und Bilder, die nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich sind. Ein Video, das angeblich den Amokläufer zeigt, entpuppt sich als Aufzeichnung eines Vorfalls aus einem Skaterpark in Wien-Floridsdorf, wo Jugendliche mit einer Schusswaffe gefilmt wurden. Dieses Video wurde von der kremlfreundlichen Plattform „ura.ru“ im Zusammenhang mit Graz verbreitet, wie in einem Faktencheck herausgefunden wurde. Die Polizei Wien hat bereits klargestellt, dass es keine Verbindung zum Graz-Vorfall gibt, dennoch ging das Video viral und wurde zunächst von dem Portal „Nexta“ gepostet.
Daneben bleibt das Bild eines Amerikaners, Sam Hyde, im Umlauf, das fälschlicherweise als das des Täters präsentiert wird. Ein weiterer Schritt zu mehr Verwirrung, der zeigt, wie ernst das Problem der Falschinformationen ist.
Der Einfluss von Fake News
Fake News und Desinformation sind nicht nur ein vorübergehendes Phänomen; sie stellen eine reale Bedrohung dar. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt, ist die Verbreitung solcher Nachrichten ein vielschichtiges Problem. Die Unsicherheit in der Definition dieser Begriffe und der Mangel an Vertrauen in Medien und Institutionen begünstigen die Verbreitung von Fake News. Besonders seit den US-Wahlen 2016 und dem Brexit-Referendum ist das Interesse an Fake News in der Medienberichterstattung sowie in der Forschung drastisch gestiegen.
Die EU hat bereits Initiativen zur Bekämpfung von Desinformation gestartet, jedoch bleibt es eine Herausforderung, Bürger:innen über die Gefahren von Fake News aufzuklären und sie dazu zu befähigen, Informationen kritisch zu hinterfragen.
In der aktuellen Situation ist es wichtig, die Berichterstattung sensibel zu betrachten und Informationen erst dann zu teilen, wenn sie durch offizielle Kanäle bestätigt wurden. Die Entwicklung und Verbreitung von Fake News macht umso deutlicher, wie essentiell Medienkompetenz in unserer heutigen Gesellschaft ist. Ein gutes Händchen im Umgang mit Informationen könnte viele Menschen vor unnötigem Leid bewahren.