In einer aufregenden, wenn auch beunruhigenden Situation rund um schulische Aktivitäten in Wien, kam es kürzlich zu einem Vorfall, der die Gemüter erhitzte. Mila S. (10), eine Schülerin der GTVS Knöllgasse in Favoriten, fand in ihrer Schultasche ein schwarzes Kopftuch, das sie nach einem Besuch in einer Moschee erhalten hatte. Dieser Ausflug wurde gemeinsam mit dem islamischen Religionslehrer und einem Freizeitpädagogen durchgeführt und fand im Mai statt. Die Bildungsdirektion bestätigte, dass der Lehrausgang freiwillig war und die Eltern entsprechend informiert wurden. Während des Ausflugs blieben einige Kinder in der Schule, und es war den Mädchen freigestellt, ob sie ein Kopftuch tragen wollten – einige taten dies freiwillig, während andere darauf verzichteten.
Mila hat in der Vergangenheit bereits negative Erfahrungen in der Schule gemacht. Sie berichtete von Bombendrohungen und bedrohlichen Bemerkungen, die das Schulleben für sie und andere Schüler:innen nicht einfach machten. Ihre Mutter, Tara S., war schockiert über den Vorfall mit dem Kopftuch und die Umstände des Schulausflugs. Sie äußerte, dass etwa 90 % der Kinder in Milas Klasse Muslime sind, was den Kontext des Besuchs in der Moschee weiter erklärt. Unterstützenswert findet sie das Kennenlernen anderer Kulturen und Religionen, doch möchte sie auch, dass Besuche in katholischen und orthodoxen Kirchen stattfinden. Die Bildungsdirektion plant bereits einen Besuch in einer römisch-katholischen Kirche in der letzten Schulwoche.
Der Stellenwert des islamischen Religionsunterrichts
Der islamische Religionsunterricht in Österreich und auch Deutschland hat einen erheblichen Einfluss auf die junge muslimische Generation. Insbesondere in Deutschland gibt es zahlreiche Diskussionen über die Gestaltung und die damit verbundenen Herausforderungen. Schätzungen zufolge gibt es mindestens 580.000 muslimische Schüler:innen in Deutschland, von denen circa 60.000 im Schuljahr 2019/20 an islamischem Unterricht in über 900 Schulen teilnahmen. Der Unterricht ist als ordentliches Schulfach grundgesetzlich garantiert, doch die Anerkennung muslimischer Verbände als Religionsgemeinschaften ist häufig umstritten. Die Entwicklung eines professionellen und integrativen islamischen Religionsunterrichts ist für die Integration und Teilhabe der muslimischen Bevölkerung von zentraler Bedeutung, wie bpb.de beschreibt.
Besonders herausfordernd ist die Rolle von Imamen, die oft im Ausland sozialisiert wurden. Es wird angestrebt, das Moscheepersonal zu professionalisieren, um den pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden. Studien zeigen, dass der islamische Religionsunterricht gut angenommen wird und eine wichtige Funktion beim Verständnis von Integration und der Prävention von Radikalisierung spielt. Die Forschung hinsichtlich des islamischen Religionsunterrichts befindet sich allerdings noch im Entwicklungsprozess, und es wird eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Schule, Politik und Moscheevebänden als dringend notwendig erachtet, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Laut einem Artikel in der Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik gibt es zahlreiche Aspekte, die in der Diskussion um den islamischen Religionsunterricht in Deutschland behandelt werden müssen, wie fachportal-paedagogik.de zusammenfasst.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Thematik weiterentwickeln wird. Ein respektvolles Miteinander und ein vertieftes Verständnis für die kulturellen und religiösen Unterschiede können die Integration fördern und das Schulumfeld für alle Kinder bereichern.