In der Schröttergasse in Favoriten, Wien, sorgt ein auffälliger Schriftzug für Gesprächsstoff unter Anwohnern und Passanten: Das Gebäude in der Nummer 27 trägt seit einer kurzen Besetzung vor rund drei Jahren den Schriftzug „besetzt“. Doch der Zustand des Hauses wirkt dass es schon länger keiner bewirtschaftet. Es gibt kein Kommen und Gehen, kein Leben in den Wänden. MeinBezirk berichtet, dass während dieser Besetzung, die nur wenige Stunden dauerte, die Polizei anrückte und die Situation jedoch schnell wieder unter Kontrolle gebracht wurde. Nach diesem Vorfall wurden sämtliche Fenster des Verlassene Hauses mit Holzspanplatten versiegelt, und der Schriftzug blieb als stummer Zeuge zurück.
Die Schröttergasse selbst hat eine lange Geschichte. Laut historischen Aufzeichnungen war das Gebäude einst das Geburtshaus der in der Nachbarschaft lebenden Frau Birner, die sich mittlerweile im fortgeschrittenen Alter befindet. Trotz des Verfalls des Hauses hat sie den Wunsch geäußert, dass das Gebäude bis zu ihrem Ableben nicht abgerissen wird. Ihre Söhne könnten möglicherweise Pläne für eine neue Nutzung des Hauses entwickeln, sobald es ihnen nach ihrem Ableben übergeben wird. Informationen zur Geschichte der Schröttergasse finden sich auf dem allgemeinhin gut besuchten GeschichteWiki.
Die Lage in Favoriten
Die Situation rund um Leerstände in Wien ist alles andere als ein leichtes Thema. Die Statistiken von 2023 zeigen, dass in Österreich insgesamt 653.000 Wohnungen leer stehen. In Wien sind es 104.700, was einer Leerstandsquote von 9,7% entspricht. Dies ist deutlich über der allgemein als akzeptabel angesehenen Quote von 3 bis 5%. In diesem Zusammenhang ist das Schicksal der Schröttergasse symptomatisch für ein größeres Problem. Leerstände reduzieren nicht nur die Attraktivität von Stadtgebieten, sondern beeinträchtigen auch die Lebensqualität und Nutzung von öffentlichen Räumen. OpenBook hebt hervor, dass Leerstände insbesondere in Stadtentwicklungsgebieten zu einem Rückgang des Sicherheitsgefühls und der Lebensqualität führen.
Einstiegsgründe für den Leerstand sind vielseitig. Sie reichen von natürlichen Fluktuationen über Sanierungen bis hin zu vermietungsunschreitbaren Wohnungen. Besonders problematisch sind spekulative Leerstände, die häufig aufgrund von wirtschaftlichen Interessen entstehen. Der Trend zu Ferienwohnungen, vor allem durch Plattformen wie Airbnb, hat in den letzten Jahren zusätzlich zur Verknappung von Wohnraum beigetragen. Zwischen 2024 und heute sind vermehrt Genehmigungen notwendig, um über 90 Tage zu vermieten, was die Lage weiter verkompliziert.
Der Zustand in der Schröttergasse wirft Fragen auf und ist Teil einer größeren Debatte über Wohnraumpolitik und die Notwendigkeit, Leerstände in Wien zu reduzieren. Die Stadtverwaltung tut gut daran, regulative sowie ökonomische Erleichterungen in Betracht zu ziehen, um die Wiederverwendung leerstehender Gebäude zu fördern.