Vor dem Weltfrauentag am 8. März 2026 macht das Betreuungszentrum Hemayat in Favoriten auf einen alarmierenden Trend aufmerksam. Im Jahr 2025 suchten rund 1.000 Frauen Unterstützung im Hemayat, was die höchste Anzahl an Klientinnen seit der Gründung des Zentrums darstellt. Hemayat ist auf die Betreuung von Menschen spezialisiert, die Folter und Krieg erlebt haben. Die stellvertretende Geschäftsführerin Nora Ramirez Castillo hebt hervor, dass Frauen eine zentrale Rolle in ihren Gemeinschaften spielen und oft die Hauptlast der emotionalen und psychischen Belastungen tragen. Die meisten der betreuten Frauen leiden an schweren Traumafolgestörungen, die häufig aus Gewalterfahrungen resultieren.
Besorgniserregend ist die Entscheidung der Stadt Wien, Förderungen zu kürzen. Experten im Hemayat betrachten dies als fatale Entscheidung, da sie die Möglichkeit einschränkt, dringend benötigte Psychotherapiestunden anzubieten. Rund 2.000 solcher Stunden, die durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher bereitgestellt werden, könnten gefährdet sein. Ramirez Castillo betont die Notwendigkeit, die Finanzierung spezialisierter traumatherapeutischer Angebote langfristig zu sichern, einschließlich psychotherapeutischer Behandlungen mit weiblichen Therapeutinnen und Dolmetscherinnen sowie gruppenspezifischer Therapieeinheiten für Frauen. Hemayat ist das einzige Betreuungszentrum in Wien, das qualifiziert auf den politischen Kontext und die besonderen Herausforderungen dieser Frauen eingehen kann.
Eine lange Geschichte der Unterstützung
Seit nunmehr 30 Jahren hilft Hemayat Opfern von Krieg und Folter und hat bisher rund 22.000 schwertraumatisierten Menschen Unterstützung angeboten. Die Klienten kommen aus verschiedenen Krisenherden weltweit, und die häufigste Erkrankung unter ihnen ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Diese Erkrankung äußert sich in Symptomen wie Flashbacks, Albträumen und dem Wiedererleben von Foltererfahrungen.
Als Teil der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen wird ein Sommerfest am Freitag, den 23. Mai 2025, im Unteren Belvedere stattfinden. Dies ist nicht nur eine Gelegenheit, das Engagement von Hemayat zu würdigen, sondern auch, das Bewusstsein für die Bedürfnisse und Herausforderungen traumatisierter Flüchtlingsfrauen zu schärfen.
Psychische Gesundheit von Geflüchteten
Die Situation für geflüchtete Menschen in Deutschland ist ähnlich besorgniserregend. Studien zeigen, dass geflüchtete Personen stärker von psychischen Belastungen betroffen sind als die Gesamtbevölkerung. Rund 30% der Geflüchteten zeigen Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), während etwa 40% depressive Symptome aufweisen. Besonders hohe Belastungen verzeichnen Menschen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien und dem Irak. Eine repräsentative Befragung ergab, dass 87% der seit 2013 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten belastende Erfahrungen durch Krieg und Verfolgung gemacht haben, wobei 75% von erlebter Gewalt berichteten.
Die Herausforderungen, denen sich geflüchtete Menschen gegenübersehen, sind vielfältig. Neben den psychischen Belastungen haben viele auch mit diskriminierenden Erfahrungen, unsicheren Zukunftsperspektiven und familiären Trennungen zu kämpfen, die die Genesung erschweren. Trotz eines erkannten Bedarfs an psychologischer Betreuung sind die Therapieplätze in Deutschland unzureichend. Im Jahr 2023 konnten nur 31.200 Personen behandelt oder weitervermittelt werden, was lediglich 3,3% des tatsächlichen Bedarfs entspricht.
Die Finanzierung der psychologischen Versorgung ist ein weiteres drängendes Thema. Die Bundesmittel für psychosoziale Zentren wurden 2025 von 13 Millionen auf 11 Millionen Euro gesenkt, obwohl Schätzungen zufolge 27 Millionen Euro nötig wären, um die Arbeit der Zentren aufrechtzuerhalten. Es ist entscheidend, dass auch Geflüchtete die notwendige Unterstützung erhalten, um ihre psychischen Erkrankungen zu behandeln und eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln.
Für mehr Informationen zu diesen Themen und zur Unterstützung von Hemayat, besuchen Sie bitte die Website von Hemayat oder erfahren Sie mehr über die Herausforderungen der psychologischen Versorgung von Geflüchteten in Deutschland auf der Website des Mediendienstes Integration.