Der Bau der Nordostumfahrung der S1, auch bekannt als Wiener Außenringschnellstraße, steht vor dem Start. Im Frühjahr 2026 soll es losgehen, nachdem die Asfinag bereits das grüne Licht für den Abschnitt von Groß-Enzersdorf bis Süßenbrunn gegeben hat. Allerdings sind die Verfahren für den umstrittenen Abschnitt mit dem Lobautunnel noch anhängig. Diese Situation hat die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Projekts neu entfacht. Harald Frey von der TU Wien äußert in diesem Zusammenhang deutliche Zweifel und kritisiert einen fehlenden „klaren Blick“ auf die Realität sowie fehlerhafte Annahmen und Erwartungen in Bezug auf das Projekt. Mehr dazu finden Sie in der Quelle hier.
Der „Regionenring“ um Wien wird durch die Nordostumfahrung nahezu komplett geschlossen, was bedeutet, dass der Transitverkehr künftig an der Stadt vorbei geleitet werden kann. Diese Maßnahme wurde bereits durch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geprüft und positiv beschieden. Ein zentrales Ziel der Nordostumfahrung ist es, die Verkehrslast auf der Südosttangente zu reduzieren, auf der aktuell über 230.000 Fahrzeuge täglich unterwegs sind. Eine Studie, die 2017 im Auftrag der damaligen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou erstellt wurde, zeigt, dass die Nordostumfahrung zusammen mit weiteren Maßnahmen, wie dem flächendeckenden Parkpickerl und dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs, eine Reduktion von rund 77.000 Pkws täglich auf der Südosttangente bewirken könnte. Die Experten der Studie, darunter Robert Lechner (Österreichisches Ökologie-Institut) und Werner Rosinak (Rosinak & Partner ZT), haben zudem festgestellt, dass die Umsetzung der Nordostumfahrung auch die Wohngebiete in der Donaustadt entlasten könnte.
Umweltaspekte und Bürgerbeteiligung
Die Vorteile der Nordostumfahrung sind jedoch nicht unumstritten. So hat die Stadt Wien sich für die Variante der Untertunnelung des Lobautunnels eingesetzt, um den Nationalpark zu schützen. Der Lobautunnel verläuft in 60 Metern Tiefe unter dem Nationalpark und dem Grundwasserstrom, sodass Fauna und Flora unberührt bleiben. Es werden keine Bauwerke im Nationalpark errichtet, was die umweltpolitischen Bedenken etwas mildert. Dennoch bleibt die Skepsis bei Experten und der Bevölkerung bestehen, insbesondere hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen auf den Verkehr und die Umwelt.
In Wien haben die Bürgerinnen die Möglichkeit, sich aktiv am Genehmigungsverfahren zu beteiligen, insbesondere wenn es sich um Vorhaben handelt, die die Schwellenwerte nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-G 2000) erreichen. Bei großen Infrastrukturprojekten erfolgt regelmäßig eine Umweltverträglichkeitsprüfung, und die entsprechenden Umweltverträglichkeitserklärungen (UVE) werden zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt. Während der sechs Wochen, in denen die UVE einsehbar ist, können Bürgerinnen schriftliche Stellungnahmen abgeben. Besonders Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen haben die Möglichkeit, durch qualifizierte Einwendungen Parteistellung zu erlangen und somit aktiv Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen. Weitere Informationen zu aktuellen UVP-Verfahren in Wien können Sie hier einsehen.