In Döbling gibt es eine lebhafte Diskussion über die Notwendigkeit eines Seniorenparlaments. Eine Initiative fordert die Einrichtung eines solchen Parlaments, um den älteren Menschen im Bezirk eine politische Stimme zu geben, ähnlich wie in anderen Wiener Bezirken wie Brigittenau und Floridsdorf. Doch Bezirksvorsteher Daniel Resch von der ÖVP lehnt diese Forderung ab. Seiner Meinung nach repräsentiert die reguläre Bezirksvertretung bereits alle Altersklassen von 18 bis 80 Jahren.

Unterstützung erhält Resch von Michael Schödl, dem Seniorenbeauftragten der ÖVP. Schödl argumentiert, dass der Ausbau direkter Serviceleistungen und individueller Kontaktformate weitaus effektiver seien als die Schaffung eines neuen Parlaments. Geplante Maßnahmen umfassen regelmäßige Kontaktbesuche bei Personen ab 75 Jahren durch den Wiener Sozialdienst, ein Regionalforum mit Schwerpunkt auf Seniorenthemen ab April, monatliche Senioren-Sprechstunden in der Bezirksvorstehung, Sicherheitsveranstaltungen mit der Grätzlpolizei sowie eine Seniorenmesse im September. Schödl betont, dass persönliche Gespräche und Informationsangebote wesentlich effektiver seien als ein neues Gremium.

Die Rolle der Senioren in der Gesellschaft

Die Debatte über die politische Teilhabe älterer Menschen ist nicht nur in Döbling von Bedeutung, sondern spiegelt einen gesamtgesellschaftlichen Trend wider. Laut dem Forum Seniorenarbeit ist die aktive Teilhabe älterer Menschen an demokratischen und gesellschaftlichen Prozessen entscheidend für eine gerechte und inklusive Gesellschaft. Partizipative Prozesse stärken nicht nur die gesellschaftliche Teilhabe, sondern fördern auch die physische und psychische Gesundheit älterer Menschen. Die Gesellschaft kann von den Erfahrungen, Ideen und Werten älterer Menschen nur profitieren.

Ein wichtiges Ziel ist die Förderung der demokratischen Teilhabe in allen Lebensphasen. Es werden verschiedene Ansätze und Methoden entwickelt, um die Beteiligung älterer Menschen zu unterstützen und den intergenerationellen Austausch zu fördern. Das Forum bündelt diese Themen und unterstützt den Austausch zwischen Akteuren, um praxisorientierte Impulse für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Demokratie zu geben.

Politische Partizipation der Senioren

Die politische Partizipation umfasst vielfältige Formen des zivilgesellschaftlichen Handelns, das über Wahlen und Abstimmungen hinausgeht. Wie eine Untersuchung des DZA zeigt, ist etwa jede zweite Person in Deutschland politisch aktiv, wobei häufige Formen der Beteiligung Unterschriftenaktionen, Online-Petitionen und Demonstrationen sind. Ältere Menschen hingegen sind oft seltener in politischen Organisationen aktiv, was die Notwendigkeit unterstreicht, ihnen Gehör zu verschaffen.

Die Beteiligungsmöglichkeiten haben sich seit den 1960er- und 1970er-Jahren stark ausgeweitet, auch durch digitale Formen der Partizipation. Dennoch zeigt sich, dass nur 40,3 Prozent der über 65-Jährigen an politischen Aktivitäten teilnehmen. Diese Zahlen machen deutlich, dass es wichtig ist, die Stimmen älterer Menschen zu hören und ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern, sei es durch ein Seniorenparlament oder andere Formate der Mitbestimmung.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Diskussion um ein Seniorenparlament in Döbling nicht nur lokal, sondern auch im Kontext einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung steht, die die Partizipation älterer Menschen in den Fokus rückt. Die Initiative könnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer inklusiven Gesellschaft sein, in der alle Altersgruppen Gehör finden.