Im Herzen Wiens, wo die Melodien der Vergangenheit noch immer durch die Gassen wehen, hat die Sopranistin Romana Amerling ein bemerkenswertes Album über die österreichische Komponistin Hilde Loewe, besser bekannt als Henry Love, veröffentlicht. Loewe, 1895 in Wien geboren, war in der Zwischenkriegszeit eine gefragte Pianistin und Liedbegleiterin. Doch die Schatten der Geschichte führten dazu, dass sie in den 1930er Jahren aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln Österreich verlassen musste, was ihr Werk in Vergessenheit geraten ließ. Amerling entdeckte Loewe während eines Besuchs im Wien Museum und war sofort von ihrer Musik fasziniert. Sie begann, nach ihren Liedern zu recherchieren und sammelte fast drei Dutzend Stücke für das Album, viele davon nur handschriftlich oder fragmentarisch vorhanden. Klavierbegleiter Nobuo Watanabe spielte eine entscheidende Rolle bei der musikalischen Umsetzung, die eine gelungene Mischung aus klassischer Musik und Jazz-Elementen präsentiert.

Die Lieder auf dem Album zeigen eine beeindruckende Bandbreite, die von humorvollen Klängen bis hin zu romantischen Melodien reicht und verschiedene Tanzstile wie Tango und Samba umfasst. Das Album enthält unter anderem das bekannte Lied „Das alte Lied“, das 1927 veröffentlicht wurde und von Richard Tauber populär gemacht wurde. Amerling hat sich zum Ziel gesetzt, das gesamte Werk von Henry Love zu sammeln und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Sie hofft auf eine Renaissance von Loewe’s Musik und darauf, dass diese die Anerkennung erhält, die sie verdient. Die erste Aufnahme, die einen umfassenden Überblick über das musikalische Schaffen von Henry Love bieten wird, ist für Februar 2026 beim Wiener Label Supreme Classics angekündigt.

Einblick in Hilde Loewes Leben

Hilde Loewe heiratete 1934 den Maler Joseph Otto Flatter, und das Paar verließ aufgrund der politischen Verhältnisse Österreich, um in England eine neue Heimat zu finden. Dort erhielt Loewe 1936 eine Arbeitserlaubnis als Pianistin und unternahm zwischen 1934 und 1938 zahlreiche Konzertreisen, auch zurück nach Österreich. Ihre Auftritte in London, wie im Austrian Centre 1939 und im British Austrian Club 1941, machten sie auch im Exil wieder bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs behielt ihr Lied „Das alte Lied“ seine Popularität und wurde zum Evergreen, auch wenn die Urheberin in Vergessenheit geriet. Anton Karas spielte das Stück im legendären Film „Der dritte Mann“, und Loewe selbst interpretierte es 1949 in London gemeinsam mit dem Tenor Rudolf Schock.

Nach dem Krieg war Loewe bis 1971 als Klavierbegleiterin aktiv und galt als gefragte Klavierpädagogin sowohl in Wien als auch in London. Sie wurde 1947 britische Staatsbürgerin und setzte ihre musikalische Karriere fort, indem sie mit zahlreichen Sänger:innen und Instrumentalist:innen zusammenarbeitete. Trotz ihrer Erfolge während und nach dem Krieg geriet Hilde Loewe aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit, was die Wiederentdeckung ihrer Werke durch Amerling umso bedeutender macht. Der Wunsch, die Musik von Henry Love neu zu beleben, spiegelt nicht nur eine Hommage an eine vergessene Künstlerin wider, sondern auch eine wichtige kulturelle Rückbesinnung auf die Vielfalt und den Reichtum der österreichischen Musikgeschichte.

Für weitere Informationen über das Projekt von Romana Amerling und die faszinierende Lebensgeschichte von Hilde Loewe, besuchen Sie bitte Rondo Magazin, Romana Amerlings offizielle Website und Wien Museum.