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In der Brigittenau hat diese Woche das Wiener Aktionismus Museum (WAM) seine Türen geöffnet. Der Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder bezeichnete die Ereignisse im Perinetkeller von 1962 als die „Geburtsstunde des Wiener Aktionismus“. Hier, im Keller des später wegen Unzucht verurteilten Otto Muehl, fanden einige der radikalsten künstlerischen Aktionen des 20. Jahrhunderts statt. Muehl hatte den Perinetkeller von trotzkistischen Splittergruppen übernommen, die als „Vierte Internationale“ bekannt waren. Zusammen mit seinen Freunden Adolf Frohner und Hermann Nitsch ließ sich Muehl im Juni 1962 für drei Tage im Keller einmauern, was die Aktion „Blutorgel“ hervorbrachte – einen provokanten Protest gegen die konservativen Wiener Festwochen.

Die Kunst von Nitsch, der dabei Blut und Gedärme eines gehäuteten Lamms verwendete, war nicht nur schockierend, sondern auch ein Ausdruck des Widerstands gegen die gesellschaftlichen Normen der damaligen Zeit. Das Publikum durfte lediglich von der Gasse aus zuschauen, und als die Polizei gerufen wurde, fand sie keine Orgien oder Tierschlachtungen, sondern eine Kunstaktion, die die Grenzen des Erlaubten auslotete. Ein weiteres Jahr später kam es zu einer weiteren umstrittenen Aktion, bei der erneut Blut toter Tiere zum Einsatz kam.

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Wiener Aktionismus und seine Protagonisten

Der Wiener Aktionismus, der zwischen 1962 und 1970 blühte, ist ein bedeutendes Kapitel der modernen Kunstgeschichte. Diese Bewegung nahm Elemente der amerikanischen Happening- und Fluxus-Kunst auf und setzte sie provokant um. Der Begriff „Wiener Aktionismus“ wurde 1969 von Peter Weibel geprägt und umfasst eine Gruppe von Künstlern, zu denen neben Muehl auch Hermann Nitsch, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler zählen. Das Ziel dieser Künstler war es, „Kunst, um die Kunst zu verlassen“ und durch Tabubrüche eine konsumorientierte Gesellschaft zu provozieren.

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Der Aktionismus stellte eine Reaktion auf die Spezialisierung und Wirkungslosigkeit der modernen Kunst der 1950er Jahre dar und war oft geprägt von drastischen Ausdrucksweisen und aggressiven Tabuverletzungen. Die berüchtigte Aktion „Kunst und Revolution“ im Jahr 1968, auch als „Uni-Ferkelei“ bekannt, machte die Bewegung über die Grenzen Wiens hinaus bekannt. Trotz dieser Berühmtheit war die Mehrheit der Bevölkerung von der Radikalität der Aktionen entsetzt, was den Aktionismus in den Augen vieler isolierte.

Der Perinetkeller und seine Geschichte

Der Perinetkeller, in dem die ersten Aktionen stattfanden, war jahrelang ein Ort des kreativen Schaffens, wurde aber 1970 vom Wiener Gesundheitsamt zwangsräumt, und Muehls Werke wurden als Abfall entsorgt. In den folgenden Jahren stand der Keller leer, bis er 2014 von einer Künstlerin in den Ursprungszustand der 1960er Jahre versetzt wurde. 2016 übernahm ein „Institut ohne direkte Eigenschaften“ den Keller, das mit dem „Aktionsradius Wien“ verbunden ist. In den letzten Jahren fanden jedoch nur wenige Veranstaltungen im Keller statt.

Das Wiener Aktionismus Museum wurde von Sammlungspersönlichkeiten gegründet, um den Wiener Aktionismus zu fördern und beherbergt die größte (Privat-)Sammlung zu diesem Thema weltweit. Die Eröffnung des WAM im Februar 2024 stellt einen bedeutenden Schritt dar, um die Geschichte und die Werke dieser Bewegung zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Wiener Aktionismus bleibt ein faszinierendes, wenn auch umstrittenes Kapitel der Kunstgeschichte, dessen Einflüsse bis heute spürbar sind.

Für mehr Informationen über die Hintergründe des Aktionismus und dessen Protagonisten, besuchen Sie bitte die Quelle und die Wikipedia-Seite.