Am Freitag feierte das Volkstheater in der Brigittenau die Premiere des Stücks „State of the Union“, inszeniert von Jan Philipp Gloger. Diese aufschlussreiche Inszenierung bringt die Zuschauer in die komplexen Gefühlswelten eines Ehepaars, das in einer tiefen Krise steckt. Die Hauptdarsteller Johanna Wokalek und Tjark Bernau verkörpern Louise, eine Ärztin, und Tom, einen arbeitslosen Musikjournalisten, die seit 20 Jahren verheiratet sind und zwei Kinder haben. Die Handlung dreht sich um die Herausforderungen, die durch Louises Affäre und die anschließende Paartherapie entstehen. Die Gespräche des Paares vor den Therapiesitzungen bilden das Gerüst des Stücks, das mit einer Mischung aus Humor und Ernst, Leichtigkeit und Tiefe brilliert.
Die Inszenierung nutzt alltägliche Sprache und realistische Dialoge, die von musikalischen Kommentaren begleitet werden. Gloger verzichtet auf dramatische seelische Abgründe und konzentriert sich stattdessen auf die hohe Lacher-Dichte, die bei der Premiere für viel Applaus sorgte. Die Zuschauer dürfen sich auch auf eine geplante Tour durch die Wiener Bezirke freuen, die das Stück einem breiteren Publikum zugänglich machen wird.
Ein Blick auf die Handlung
„State of the Union“ – oder besser gesagt „Eine Ehe in zehn Sitzungen“, wie es im Untertitel heißt – stammt aus der Feder des britischen Autors Nick Hornby. Die Übersetzung von Ingo Herzke verleiht dem Stück eine besondere Note. Der zentrale Konflikt zwischen Tom und Louise wird nicht in den Therapiesitzungen selbst, sondern in den Momenten dazwischen entfaltet. So treffen sich die beiden beispielsweise in einem Pub, um bei einem Mut-mach-Drink über die Themen zu sprechen, die sie in der Beratung behandeln wollen. Diese Dialoge sind klug und schnell und behandeln grundlegende Fragen des menschlichen Liebeslebens, die viele in Beziehungen haben, aber selten aussprechen.
Die Dynamik zwischen den Charakteren ist humorvoll und zeigt, wie der Druck durch Arbeit, Stress und Kindererziehung die Beziehung belasten kann. Tom, der vor einigen Wochen aus dem gemeinsamen Zuhause ausgezogen ist, und Louise stehen vor der Herausforderung, ihre Liebe zurückzugewinnen. Der Versuch, dies durch Paartherapie zu erreichen, steht im Mittelpunkt der Erzählung, die in zehn Szenen die verschiedenen Facetten ihrer Beziehung beleuchtet.
Kritische Reflexion und Kontext
Die Beziehungskrise zwischen Louise und Tom ist nicht nur ein fesselndes dramaturgisches Element, sondern wirft auch grundlegende Fragen über die Liebe und das Zusammenleben auf. Die Schwierigkeiten, die das Ehepaar durchlebt, sind universell und könnten in vielen Lebensrealitäten wiedererkannt werden. Hornbys Werk bietet nicht nur Unterhaltung, sondern auch einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche. Es ist letztlich ein Versuch, den Kern der Liebe zwischen den beiden Protagonisten wiederherzustellen, was in der heutigen schnelllebigen Welt von besonderer Bedeutung ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „State of the Union“ eine gelungene Kombination aus Humor und Ernst bietet, die sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken anregt. Für weitere Informationen und Details zur Inszenierung besuchen Sie die Krone und die Webseite des Volkstheaters.