Am 29. Oktober 1942 wurde Sr. M. Restituta Kafka, geboren als Helene Kafka, wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Dieser Tag ist seitdem nicht nur ein Gedenktag für die mutige Ordensfrau, sondern auch Anlass für eine jährliche Feier der Kirche von Wien und der Franziskanerinnen von der Göttlichen Liebe. Helene Kafka erblickte am 1. Mai 1894 in Husovice (Hussowitz) bei Brünn das Licht der Welt und zog mit ihrer Familie im Alter von zwei Jahren nach Wien-Brigittenau. Hier wuchs sie in einer Familie mit sieben Geschwistern auf und besuchte die Volksschule sowie die Haushaltungsschule. Ihr beruflicher Werdegang begann als Hilfspflegerin im Krankenhaus Lainz im Jahr 1914.
Im Alter von 19 Jahren trat sie den Franziskanerinnen der christlichen Liebe bei und erhielt den Ordensnamen „Maria Restituta“. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie als Krankenschwester im Krankenhaus Mödling, wo sie schließlich die Operationsschwester leitete. Der Anschluss Österreichs 1938 brachte jedoch eine drastische Wende in ihrem Leben. Sr. Restituta weigerte sich standhaft, Kruzifixe aus den Krankenzimmern zu entfernen und Patienten nach „arischer“ oder „fremdrassiger“ Zugehörigkeit zu diskriminieren. Ihr Widerstand blieb nicht unbemerkt; regimekritische Texte führten zu ihrer Denunziation durch einen SS-Mitglied und schließlich zu ihrer Verhaftung durch die Gestapo am 18. Februar 1942.
Der unerschütterliche Glaube
Nach ihrer Verhaftung verbrachte sie fast ein halbes Jahr in der Todeszelle. Am Allerheiligenfest 1942 schrieb sie einen bewegenden Brief an ihre Oberin, in dem sie ihre Unschuld betonte und um Vergebung für ihre Verurteilung bat. Ihre Hinrichtung erfolgte am 30. März 1943 im Wiener Landesgericht durch Enthauptung. P. Johann Ivanek, ihr Gefängnisseelsorger, feierte mit ihr eine letzte Erneuerung der Ordensgelübde und begleitete sie zur Guillotine. Sr. Restituta betete laut ihre Professformel und bat für die Bekehrung ihrer Feinde. Ihr Sterben wird als wahres Martyrium angesehen, da sie aufgrund ihrer Überzeugungen und ihres Glaubens starb.
Ihr Leichnam wurde anonym im Wiener Zentralfriedhof in der 40er-Gruppe beigesetzt, eine Bitte um Bestattung in einem ordenseigenen Grab wurde von den NS-Behörden verweigert. Jahrzehnte später wurde sie am 21. Juni 1998 von Papst Johannes Paul II. in das Verzeichnis der Seligen aufgenommen. Der 29. Oktober wurde als liturgischer Gedenktag bestimmt, um an ihr Leben und ihren unerschütterlichen Glauben zu erinnern.
Das Erbe von Maria Restituta
Das Erbe von Sr. Maria Restituta lebt in vielen Gedenkstätten und Denkmälern weiter. So wurde in Mödling die Weyprechtgasse in Schwester-Maria-Restituta-Gasse umbenannt und in Wien-Brigittenau ein Maria-Restituta-Platz geschaffen. Ihre Geschichte ist Teil eines größeren Kontextes, der auch andere Märtyrer umfasst, die während des Nationalsozialismus für ihren Glauben und ihre Überzeugungen litten. Ähnlich wie die Lübecker Märtyrer, die für ihren Widerstand gegen die menschenverachtende Politik der Nazis hingerichtet wurden, ist auch das Leben von Sr. Restituta ein Beispiel für den unerschütterlichen Glauben und die Standhaftigkeit in Zeiten der Verfolgung.
Ihr Leben und Wirken erinnern uns daran, wie wichtig es ist, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, selbst in den dunkelsten Zeiten der Geschichte. Das jährliche Gedenken und die zahlreichen Denkmäler sind ein starkes Zeichen der Anerkennung und des Respekts für ihren Mut und ihre Entschlossenheit. So wird die Erinnerung an Sr. Maria Restituta Kafka lebendig gehalten und inspiriert auch zukünftige Generationen.
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