In der Greiseneckergasse in Wien-Brigittenau wird der Platzmangel vor Schulen immer drängender. Eltern schieben sich vor der Volks- und Mittelschule, während der Gehsteig nur etwa zwei Meter breit ist. Auf beiden Seiten der Wohnstraße sind Parkplätze vorhanden, was die Situation nicht gerade entschärft. In diesem Kontext haben die Grünen und Links einen Antrag eingereicht, um den Bereich vor der Schule autofrei zu gestalten. Ein Metallgitter trennt den Gehsteig von der Fahrbahn, was von Experten als feuerpolizeiliches Risiko angesehen wird. Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ) ist sich der suboptimalen Situation bewusst und berichtet von Gesprächen mit Schulleitungen und Elternvertretern.

Der Antrag zur Überprüfung der autofreien Schulstraße wurde bereits an die Bezirksentwicklungskommission weitergeleitet. Ein weiterer Punkt, der in der Dietmayrgasse zur Sprache kam, war die Umgestaltung des Vorplatzes der dortigen Mittelschule. Hier wurde jedoch ein entsprechender Antrag abgelehnt, da Anwohner Parkflächen wünschten, wie Bezirksrätin Daniela Zechner (SPÖ) berichtete. In der nächsten Sitzung wird die Bezirksentwicklungskommission alle Schulvorplätze im Bezirk prüfen, um mögliche Umbauten und Budgetfragen zu klären. Dies ist besonders wichtig, da im Jahr 2024 laut Statistischem Bundesamt 27.260 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt wurden. Dabei waren nur 20% der verletzten Kinder zu Fuß unterwegs, während 33% auf dem Fahrrad und 35% im Auto verunglückten.

Die Rolle der Eltern und Verkehrssicherheit

Verkehrsexperte Simon Höhner betont, dass Kinder am sichersten zur Schule kommen, wenn sie zu Fuß gehen. Dennoch bringen etwa ein Viertel der Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, was zu erhöhtem Verkehrsaufkommen, Staus und steigenden Gefahren für Kinder führt. Eine ADAC-Umfrage zeigt, dass 19% der Eltern ihr Kind täglich mit dem Auto zur Schule bringen und 9% mindestens an jedem zweiten Tag. Auf der anderen Seite lehnen 58% der Eltern es ab, Grundschüler zur Schule zu fahren, insbesondere diejenigen, deren Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad gehen.

Praktische Gründe, die für das Autofahren sprechen, sind unter anderem Termindruck (40%), die Lage der Schule auf dem Arbeitsweg (30%) und schlechtes Wetter (32%). Sicherheitsbedenken spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, da lediglich 12% der Eltern dies als Grund angeben. Gleichzeitig sehen 35% der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, Elterntaxis als gefährlich an. Über 40% der Elterntaxis halten sich nicht an Verkehrsregeln, was zu gefährlichen Schulwegen beiträgt. Höhner warnt außerdem, dass Kinder im Auto nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und dadurch nicht lernen, wie man sicher im Straßenverkehr agiert. Verkehrserziehung ist in vielen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, Teil des Grundschul-Lehrplans.

Initiativen zur Verbesserung der Schulwegsicherheit

In Deutschland gibt es bereits Initiativen zur Förderung des selbstständigen Schulwegs und zur Reduzierung von Elterntaxis, wie beispielsweise in Sachsen. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind oft unzureichend. Eine Novelle der Straßenverkehrsordnung zur Verbesserung der Situation ist am Widerstand des Bundesrats gescheitert. Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium empfiehlt Schulstraßen über straßenrechtliche Teileinziehungen, jedoch sind nicht alle Straßen dafür geeignet. Städte wie Bonn, Essen, Gladbeck, Berlin und Frankfurt am Main haben bereits Verkehrsversuche mit Schulstraßen durchgeführt, wobei in Frankfurt die Anzahl der Elterntaxis gesunken ist.

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Die aktuelle Situation in Brigittenau verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Schulwege für Kinder sicherer zu gestalten. Eltern sind aufgerufen, den Schulweg mit ihren Kindern einzuüben und sichere „Kiss & Ride“-Halteplätze zu nutzen. Nur so kann die Gefährdung unserer Kinder verringert werden und Platz für eine sichere und kinderfreundliche Umgebung geschaffen werden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel [hier](MeinBezirk).

Die Herausforderungen rund um den Schulweg sind nicht nur lokal, sondern spiegeln sich in vielen Städten wider. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung von Politik, Eltern und Schulen, um die Sicherheit und Lebensqualität für unsere Kinder zu verbessern. Ein sicherer Schulweg ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur, sondern auch der Verantwortung und der Erziehung.