In Brigittenau, einem Bezirk Wiens mit einer hohen muslimischen Bevölkerung, hat Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview mit „Zwischenbrücken“ über die Notwendigkeit des Dialogs und respektvollen Austauschs zwischen den Religionen gesprochen. Er äußerte Besorgnis über die wachsende muslimische Bevölkerung in Europa, fordert jedoch eine differenzierte Betrachtung dieser Entwicklung. „Wer die Kinder hat, hat die Zukunft“, stellt der Kardinal fest und kritisiert die Panikmache, die oft mit dem Thema einhergeht. Stattdessen betont er die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens. Schönborn erinnert an die Proteste gegen den Bau eines islamischen Zentrums in Brigittenau im Jahr 2013, die er ablehnte. Er erkennt radikale Strömungen im Islam an, die auch viele Muslime beunruhigen und hebt hervor, wie wichtig es ist, sich als Menschen zu begegnen, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit.
In seinem Alltag lebt Schönborn in einer kleinen Wohnung im Kloster der „Kleinen Schwestern vom Lamm“. Sein Lebensstil ist ruhig, und er fühlt sich in Brigittenau wohl. Diese persönliche Note gibt einen Einblick in die menschliche Seite des Kardinals, der sich nicht nur als religiöse Autorität, sondern auch als Teil der Gemeinschaft sieht.
Interreligiöser Dialog als Schlüssel
Die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs wird auch von anderen Institutionen und Projekten unterstrichen. Die Projektförderung im Bereich des interreligiösen Dialogs zielt darauf ab, das Verständnis füreinander zu fördern und wechselseitiges Interesse an Glaubensgrundlagen sowie der praktischen Religionsausübung zu steigern. Ziel ist es, Anreize für einen sachlichen Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu schaffen. Diese geförderten Maßnahmen richten sich an Multiplikatoren aus Religion, Gesellschaft und Politik, wobei oft christliche und muslimische Einrichtungen oder interreligiöse Dialoginitiativen als Träger fungieren. Zudem werden wissenschaftliche Konferenzen und Forschungsprojekte zu interreligiösen Themen unterstützt, was die Relevanz und Dringlichkeit solcher Dialoge unterstreicht (Quelle).
Ein notwendiger Schritt in unserer Zeit
Der interreligiöse Dialog ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Veränderungen in der Weltpolitik, Weltwirtschaft und den Kulturkontakten seit dem Zweiten Weltkrieg machen diese Art des Austauschs notwendig. Die Polarisierung in der Öffentlichkeit bezüglich Religion hat zugenommen, insbesondere seit dem Minarettbauverbot in der Schweiz im Jahr 2009 und der „Sarrazin-Debatte“ im Jahr 2010. Der Dialog wird dabei als normative Form der Beziehung zwischen Religionen betrachtet, mit dem Ziel der Gleichberechtigung der Dialogpartner. Er umfasst Begegnungen, Kontaktpflege, gemeinsame Aktivitäten und den Austausch auf Expertenebene (Quelle).
Es ist entscheidend, dass der Dialog auf gegenseitiger Akzeptanz, Respekt und Anteilnahme basiert, ohne dass inhaltliche Übereinstimmungen vorausgesetzt werden. In einer Zeit, in der Religionen sowohl positive als auch negative soziale Realitäten darstellen können, ist der interreligiöse Dialog ein wichtiger Schritt in Richtung Frieden, der Differenzen anerkennt und aushält. Die Worte von Kardinal Schönborn und die Initiativen zur Förderung des Dialogs zeigen, dass der Weg zur Verständigung und zum friedlichen Zusammenleben in unseren Händen liegt.