In Wien wurde am 29. Januar eine bemerkenswerte Großwärmepumpe in Betrieb genommen, die nicht nur die Energiewende vorantreibt, sondern auch einen bedeutenden Schritt in der nachhaltigen Wärmeversorgung darstellt. Mit einem Gewicht von 120 Tonnen, das man sich als die Masse von etwa 27 Elefanten vorstellen kann, wird diese innovative Anlage Fernwärme für rund 16.000 Haushalte aus der Abwärme der Müllverbrennung gewinnen. Betreiber der Anlage ist Wien Energie, die für dieses zukunftsweisende Projekt stolze 40 Millionen Euro investiert hat. Die Großwärmepumpe besteht aus zwei Pumpen mit jeweils 8 Megawatt Leistung, was insgesamt 16 Megawatt ergibt. Diese Anlage ist die dritte Großwärmepumpe von Wien Energie, nach den Projekten im Kraftwerk Simmering und der ebswien Kläranlage.

Die neue Großwärmepumpe nutzt die Abwärme, die bei der Rauchgasreinigung der Müllverbrennungsanlage entsteht. Dabei werden Rauchgase durch Rohrleitungen geleitet, in denen Wasser fließt – dieser Prozess erzeugt Dampf, der wiederum zur Stromerzeugung verwendet wird. Nach der Wärmeübertragung wird ein Reinigungsprozess des Rauchgases durchgeführt, was die Effizienz der Anlage erhöht. Mit der Inbetriebnahme der neuen Großwärmepumpe kann die Müllverbrennungsanlage Spittelau nun insgesamt 76.000 Haushalte mit Heizung und Warmwasser versorgen. Diese Methode der Wärmegewinnung aus Rauchgasen ist in Europa noch selten, aber Wien setzt damit einen neuen Standard, der in Städten wie Basel, Kopenhagen und Hamburg bereits erfolgreich umgesetzt wurde.

Effizienz und Umweltfreundlichkeit

Die Effizienz der neuen Großwärmepumpe ist beeindruckend: Durch die Nutzung der Abwärme wird eine Effizienzsteigerung auf über 95% erzielt, was eine Reduktion von jährlich 22.000 Tonnen CO₂ zur Folge hat. Diese nahezu verlustfreie Energiegewinnung ist ein bedeutender Fortschritt für die Stadt, die bis 2040 plant, Großwärmepumpen als wichtigsten Baustein für die städtische Wärmeerzeugung zu nutzen. Der geplante Erzeugungsmix sieht vor, dass 31% der Wärme aus Großwärmepumpen und Abwärme stammen sollen, während 26% aus Tiefengeothermie, 22% aus erneuerbaren Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Heizkesseln sowie 21% aus direkter Wärme aus der Müllverbrennung kommen.

Wien Energie hat zudem in ungenutzte Abwärmequellen investiert, beispielsweise von der Manner-Fabrik und Therme Wien, um die Wärmeversorgung weiter zu diversifizieren. Bis 2030 sollen 57% der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen und Abwärme stammen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, plant Wien Energie Investitionen von 660 Millionen Euro in die erneuerbare Wärmeerzeugung und Kreislaufwirtschaft.

Ein Blick über die Grenzen

Die Entwicklungen in Wien spiegeln einen größeren Trend wider, der in ganz Europa zu beobachten ist. In Deutschland beispielsweise ist das Ziel, bis 2045 Fernwärme CO2-neutral zu gestalten. Aktuell wird viel Wärme aus Kohlekraftwerken in die Fernwärmenetze eingespeist. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, gibt es Forschungsprojekte wie FernWP, die die Nutzung natürlicher und industrieller Wärmequellen durch Großwärmepumpen untersuchen. Diese Projekte zeigen auf, dass GWP fossile Wärmequellen teilweise oder sogar vollständig ersetzen können, was nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Die Transformation von Kohlekraftwerksstandorten zu GWP-Betriebsstätten ist möglich, erfordert jedoch umfangreiche Anpassungen und Investitionen. Die Zukunft der Wärmeversorgung hängt also nicht nur von neuen Technologien ab, sondern auch davon, wie schnell und effizient diese Technologien in bestehende Infrastrukturen integriert werden können.

Insgesamt zeigt die neue Großwärmepumpe in Wien, wie urbane Zentren innovative Ansätze zur Energiegewinnung nutzen können, um ihre Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die Lebensqualität der Bürger zu verbessern. Die Stadt positioniert sich damit als Vorreiter in der nachhaltigen Wärmeversorgung, und der Blick auf ähnliche Projekte in anderen europäischen Städten lässt hoffen, dass Wien nicht allein auf diesem Weg ist.